Miguel Pajares

Spanischer Ebola-Patient ist tot

Der erste durch Ebola infizierte Europäer ist seiner Krankheit erlegen. Ein Expertenkomitee der WHO entschied nun, dass der Einsatz von experimentellen Wirkstoffen im Kampf gegen die Epidemie vertretbar ist.
Update: 12.08.2014 - 12:48 Uhr Kommentieren

Spanischer Priester stirbt an Ebola

Der erste durch die in Westafrika grassierende Ebola-Epidemie angesteckte Europäer ist der Krankheit erlegen. Der spanische Priester Miguel Pajares, der vor fünf Tagen aus Liberia nach Madrid ausgeflogen worden war, starb im Krankenhaus, wie eine Sprecherin der Gesundheitsbehörden am Dienstag mitteilte. Der 75-Jährige hatte in Liberia für eine Nicht-Regierungsorganisation gearbeitet.

Für einen deutschen Medizinstudent in Ruanda gab es dagegen Entwarnung: Er ist entgegen ersten Vermutungen nicht an Ebola erkrankt. „Der Verdacht einer Ebola-Erkrankung eines deutschen Staatsangehörigen hat sich nach unserer Erkenntnis nicht bestätigt“, teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin am Dienstag mit. Der Medizinstudent hatte verdächtige Krankheitszeichen gezeigt. Da er sich zuvor in Liberia aufgehalten hatte, wo bereits Hunderte Opfer der Ebola-Epidemie wurden, war eine Ebola-Infektion befürchtet worden.

Die Zahl der Todesopfer der Ebola-Epidemie liegt bereits bei über 1000. Bislang gibt es weder einen Impfstoff noch ein Heilmittel gegen die Krankheit.

Das durch die Ebola-Epidemie stark betroffene Guinea ist bei der Anwendung von bisher nicht zugelassenen Medikamenten wie ZMapp gegen die Seuche äußerst zurückhaltend. Gesundheitsminister Remy Lamah sagte der französischen Zeitung „La Croix“ vom Dienstag, dies sei keine „Priorität“ für sein Land.

Ein Expertenkomitee der Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte am Dienstag mit, dass es den Einsatz von experimentellen Wirkstoffen im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika für vertretbar hält. „Angesichts der besonderen Umstände dieses Ausbruchs, und vorausgesetzt, dass bestimmte Bedingungen erfüllt werden“, seien derartige Behandlungen ethisch vertretbar, auch wenn ihre Wirksamkeit noch nicht bewiesen und mögliche Nebenwirkungen noch nicht bekannt seien, erklärte die WHo am Dienstag in Genf. Das vor allem aus Medizinethikern bestehende Gremium hatte am Montag zu der Frage eine Telefonkonferenz abgehalten.

Die WHO hatte die Ebola-Epidemie vergangene Woche zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt und beriet mit Experten über einen Einsatz experimenteller Wirkstoffe, die noch nicht den sonst üblichen Zulassungsprozess mit der Überprüfung auch auf Nebenwirkungen durchlaufen haben. Liberia erhält demnächst aus den USA das experimentelle Ebola-Serum ZMapp für die Behandlung infizierter Mediziner. ZMapp wurde bislang nur an Tieren getestet.

Eine Therapie oder zugelassene Medikamente gegen Ebola gibt es bisher nicht. Impfstoffe oder Medikamente sind lediglich im Test-Stadium. Neben Guinea, Liberia und Sierra Leone ist inzwischen auch Nigeria und damit das bevölkerungsreichste Land Afrikas von der Epidemie betroffen.

Fliegen in Zeiten von Ebola
Frachtflugzeug startet nach Ende der Flughafen-Blockade in Bangkok
1 von 8

Warum sind die Fluggesellschaften besorgt?

Bei Krankheiten wie Ebola könnte ein einziger infizierter Passager theoretisch auf einem Flug Hunderte Mitreisende infizieren, die dann womöglich wieder Anschlussflüge in Dutzende weiterer Städte und Länder nehmen. Gesundheitspersonal und Airlines weisen jedoch darauf hin, dass sich Ebola nur durch direkten Kontakt verbreitet. Problematischer wären für die Fluggesellschaften also Krankheiten wie die Grippe oder Sars, die sich auch durch die Luft verbreiten können.

huGO-BildID: 38533238 Nigeria health officials wait to screen passengers at the arrival hall of Murtala Muhammed International Airport in Lagos, Nige
2 von 8

Sind Reisen nach Westafrika noch sicher?

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat am Dienstag US-Bürgern angeraten, alle nicht unbedingt erforderlichen Flüge nach Guinea, Liberia und Sierra Leone zu vermeiden. Das Auswärtige Amt hat eine ähnliche Empfehlung ausgesprochen.

Flughafen München
3 von 8

Welche Fluggesellschaften fliegen Westafrika an?

Europäische Fluggesellschaften wie Air France-KLM und Lufthansa fliegen von ihren Drehkreuzen in Paris, Amsterdam und Frankfurt aus Ziele in Westafrika an. Wobei es zwischen Frankfurt und den drei von Ebola betroffenen westafrikanischen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone keine direkten Flugverbindungen gibt. Inzwischen ist das Virus aber auch in Nigeria nachgewiesen worden. Die Lufthansa fliegt dort täglich zwei Ziele an: Lagos und Abuja. Auch die US-Unternehmen Delta Air Lines und United fliegen in die Region.

huGO-BildID: 38506744 FILE - In this Tuesday April 20, 2010 file photo, Emirates airline passenger jets taxi on the tarmac at Dubai International air
4 von 8

British Airways kündigte am Dienstag an, alle Flüge von und nach Sierra Leone und Liberia bis Ende August einzustellen, und begründete dies mit der „Verschlechterung der allgemeinen gesundheitlichen Lage in den Ländern“. Emirates fliegt Guineas Hauptstadt Conakry nicht mehr an, hat die Flüge in Senegals Hauptstadt Dakar allerdings nicht ausgesetzt.

huGO-BildID: 38528053 A Nigerian health official uses a thermometer on a worker at the arrivals hall of Murtala Muhammed International Airport in Lag
5 von 8

Werden Flugpassagiere bei der Ausreise aus Afrika untersucht?

Ja. An vielen Flughäfen betroffenen Gebieten werden Reisende von Vertretern der Gesundheitsbehörden untersucht. Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat Experten vor Ort, die die Arbeit der Behörden unterstützen. Auch die Weltgesundheitsorganisation hat Mitarbeiter für entsprechende Untersuchungen in die betroffenen Gebiete geschickt.

Isolierstation ist auch auf Ebola vorbereitet
6 von 8

Welche Maßnahmen werden an anderen Flughäfen getroffen?

Am Frankfurter Flughafen existiert seit Jahren ein Notfallplan für den Umgang mit gefährlichen Infektionen. Er sieht unter anderem den Einsatz von Wärmebildkameras zum Aufspüren von möglichen Risikopatienten anhand erhöhter Körpertemperatur vor.

Meldet der Pilot während des Fluges einen Fluggast mit möglichen Ebola-Symptomen an den Tower, würde das Flugzeug nach der Landung weit draußen auf dem Vorfeld geparkt. Experten der Flughafen-Klinik gehen an Bord und sorgen für den Abtransport des Kranken in einem Spezialfahrzeug direkt in die Sonderisolierstation der Universitätsklinik. Fluggäste, die während des Fluges mit dem Kranken in Kontakt gekommen sein könnten, werden unter Quarantäne gestellt.

huGO-BildID: 38521679 A South Korean quarantine officer, right, checks a thermal camera monitoring the body temperature of passengers arriving from
7 von 8

Auch an anderen Airports wie hier in Incheon (Südkorea)werden Reisende aus Ebola-Risikogebieten mit Wärmebildkameras auf erhöhte Körpertemperatur untersucht. An vielen US-Flughäfen ist zudem verstärkt Personal der Gesundheitsbehörde CDC im Einsatz. Es soll gezielt nach Reisenden mit möglichen Ebola-Symptomen Ausschau halten und diese im Bedarfsfall isolieren.


  • rtr
  • afp
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%