Millionen Klinik-Infektionen: Patienten werden immer älter

Millionen Klinik-Infektionen
Krank durch das Krankenhaus

Patienten werden immer älter

Tatsächlich sind Gründe für solche Infektionen vielfältig. Klinik-Patienten benötigen oft invasive Untersuchungen oder Therapien: Sie bekommen zum Beispiel Katheter gelegt oder werden an Beatmungsgeräte angeschlossen. „Das alles sind Eintrittsschienen für Erreger in den Körper“, sagt Gastmeier. Oft seien es gar keine fremde Keime aus der Umgebung.

„Jeder von uns schleppt Billionen Bakterien mit sich herum“, erläutert die Hygieneärztin. „Zum Beispiel auf unserer Haut oder im Darm – und die dringen dann in den Körper ein.“ Je länger ein Katheter liege, desto größer sei das Risiko dafür.

In Deutschland bekommen rund 3,5 Prozent der Patienten auf Allgemeinstationen eine Krankenhausinfektion, 15 Prozent auf Intensivstationen. Die Zahlen werden sich nach Meinung Gastmeiers künftig kaum ändern. Zwar haben viele Kliniken die Händehygiene verbessert und es gibt mehr geschultes Personal. „Doch die Patienten werden immer älter und kranker und damit noch anfälliger für Infektionen“, berichtet sie.

Es gibt noch zwei gegenläufige Entwicklungen: Durch minimalinvasive Chirurgie ist das Infektionsrisiko heute bei Operationen geringer als früher. Doch auf der anderen Seite steige die Zahl der invasiven Maßnahmen, sagt Gastmeier. So würde oft nicht mehr nur ein zentraler Venenkatheter gelegt, sondern mehrere. Und bei jeder Eintrittsstelle in den Körper haben Keime Chancen.

Zwischen 1000 und 4000 Todesfälle gehen in Deutschland pro Jahr auf das Konto multiresistenter Erreger. Viele Patienten bringen sie bereits mit – und es obliegt dem Management der Kliniken dafür zu sorgen, dass sich andere Patienten nicht infizieren. Bei der Umsetzung habe sich in den vergangenen Jahren im Vergleich zu früher ebenfalls viel getan, sagt Gastmeier – bis hin zu gezielten Präventionsprogrammen bei Risikogruppen. Doch es kommt weiterhin immer auf das Augenmerk der einzelnen Klinik an.

Möglichkeiten zur Vermeidung solcher Infektionen sieht Gastmeier vor allem bei der Antibiotika-Verordnung. „Da könnten wir sparen, vor allem im ambulanten Bereich“, sagt die Expertin. So sollten möglichst keine Breitspektrum-Präparate verordnet werden. Unklar sei aber, welchen Einfluss die Belastung mit Antibiotika heute durch Umwelt, Lebensmittel und auch Reisen habe.

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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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