Mini-Gesundheitsstationen
EKG in der Uhr macht Patienten mobil

Pulsmessen beim Kaffeekränzchen, EKG beim Spaziergang – und alles unter ärztlicher Kontrolle: Dank einer Mini-Gesundheitsstation fürs Handgelenk sollen Risikopatienten sich überall dort unbeschwert bewegen können, wo es Mobilfunkantennen gibt.

KÖLN. Der „MDKeeper“ sieht aus wie eine große Armbanduhr, misst aber Puls, Herzfunktionen und den Sauerstoffgehalt des Blutes. Über einen eingebauten Mobilfunkchip schickt er die Daten an den behandelnden Arzt. Das Gerät wird von der israelischen Firma Tadiran Spectralink entwickelt, Siemens liefert die Funktechnik.

Zahlreiche Forscherteams arbeiten an ähnlichen Apparaten, die Gesundheitsdaten zu Hause messen und an den Arzt übertragen. Sie sind für Menschen gedacht, deren Körperfunktionen regelmäßig überwacht werden müssen – im Extremfall rund um die Uhr. Die Patienten möchten sich lieber zu Hause als in der Klinik auskurieren. Auch die Krankenhäuser wollen möglichst schnell ihre Betten frei bekommen, seit die Krankenkassen nur noch eine Pauschale für jede Behandlung zahlen. Die Beratungsgesellschaft Frost & Sullivan erwartet deshalb, dass der europäische Markt für die Fernüberwachung von Patienten in den nächsten fünf Jahren mit einem starken Wachstum von jeweils 28 Prozent.

In Europa gibt es bisher nur einige Testprojekte mit diesen elektronischen Betreuern. In Amerika sind die ersten Geräte dagegen schon auf dem Markt. So hat Philips bereits Körpergewicht, Blutdruck und Herzfunktionen von mehreren tausend Patienten überwacht. Dabei sendet die Waage oder das Blutdruckmessgerät seine Ergebnisse per Bluetooth-Funk zum heimischen PC – von da aus gehen die Messwerte über eine Breitbandleitung weiter zum Arzt.

Um Patienten auch unterwegs die Möglichkeit zu bieten, ihre Gesundheit zu kontrollieren, setzen viele Forschergruppen auf Mobilfunk. Der Lehrstuhl für Medizinische Elektronik der TU München und das Unternehmen Sendsor kombinieren ein handelsübliches Handy mit klassischen Messgeräten, die Lungenkapazität und Blutdruck ermitteln. „In den Handys steckt heute so viel Intelligenz“, sagt TU-Professor Bernhard Wolf, „da lohnt es sich gar nicht, eigene Technologien zu entwickeln.“ Man müsse bloß die Messgeräte mit einem Bluetooth-Sender versehen.

Das „MDKeeper“-Projekt verfolgt eine andere Strategie: Die Entwicklerfirma will möglichst viele Miniatur-Sensoren in ihre Armbanduhr packen und die Mobilfunktechnik gleich dazu. „Die Strahlung ist nicht höher als bei einem handelsüblichen Handy“, sagt Entwicklungsmanager Ofer Atzmon. Die Geräte sollen im ersten Quartal 2006 auf den Markt kommen, der Stückpreis soll im niedrigen vierstelligen Euro-Bereich liegen. In Zukunft könnte der MDKeeper auch per GPS den Aufenthaltsort eines Notfallpatienten verraten oder Videokonferenzen mit dem Arzt ermöglichen. Ein Beschleunigungssensor soll einen Doktor rufen, sobald der Patient stürzt. Bernhard Wolf von der TU München hält Messungen am Handgelenk allerdings für ungenau. Er setzt auf einen Fingerring.

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