Mini-Implantate
Mit gezielten Schocks gegen Krankheiten

Bei Herzleiden haben sich Stromstöße schon bewährt. Das Prinzip greift um sich. Mit hohen Investitionen treiben Medizintechnikkonzerne die Entwicklung weiterer Anwendungen voran. Zudem werden die kleinen Implantate im Körper immer feinfühliger. Die Branche arbeitet daran, bestehende Kinderkrankheiten abzustellen.
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DÜSSELDORF. Ein Mini-Implantat in der Brust kann Leben retten – häufig allerdings zum Preis schmerzhafter Nebenwirkungen. Defibrillatoren, kurz ICD, heißen die Geräte, die Menschen mit Herzrhythmusstörungen im Notfall helfen. Sie sind so groß wie eine Taschenuhr und geben elektrische Impulse ab, wenn lebensbedrohliches Kammerflimmern auftritt. Das Problem: Moderne Defibrillatoren sind so empfindlich, dass sie einige Signale im Körper fehlinterpretieren. Sie geben Stromstöße auch ab, wenn keine Lebensgefahr besteht – und das ohne Vorwarnung.

Die Folgen sind dramatisch: „Menschen, die mehrere Elektroschocks in kurzen Abständen ertragen mussten, sind so fertig, dass sie psychiatrische Hilfe benötigen“, sagt Dietmar Bänsch, Kardiologe an der Uniklinik Rostock. Um unnötige Stromstöße zu vermeiden, hat der US-Medizintechnikhersteller Medtronic den neuen Defibrillator „Protecta XT“ mit einer neuen Software ausgestattet. Diese erkennt frühzeitig, wenn Kammerflimmern droht und stabilisiert den Herzrhythmus umgehend über leichte Stimulationen. Nur bei Lebensgefahr gibt das Gerät den schmerzhaften Impuls ab.

Ob Herz, Hirn oder Rückenmark – Defibrillatoren erobern den menschlichen Körper. Sie kommen zum Einsatz, wo eine elektrische Stimulation von Nerven oder Muskeln Körperfunktionen aktivieren oder Überreaktionen verhindern kann. Die Therapie von Herzleiden ist nur der erste Schritt. Mit hohen Investitionen treiben Medizintechnikkonzerne die Entwicklung weiterer Anwendungen voran: Selbst bei Epilepsie oder Diabetes sollen Stromstöße helfen.

Hoffen auf erfolgreiche Studien

Neben der Erforschung neuer Methoden arbeitet die Branche eifrig daran, Kinderkrankheiten bestehender Produkte abzustellen. Beispiel Medtronic: In ersten Studien machte die präventive Stimulation das Schocken durch den Defibrillator in fast 80 Prozent der Fälle überflüssig.

„Wenn das Gerät die lebensbedrohliche Situation frühzeitig abwenden kann, ist das ein großer Fortschritt“, sagt Dieter Horstkotte. Der Herzspezialist am Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen begleitet eine klinische Studie, bei der das Gerät weltweit an 250 Patienten getestet wird. Vom Ergebnis hängt viel ab. Verläuft die Studie erfolgreich, will Medtronic den Protecta 2010 auf den Markt bringen.

Der Druck im Geschäft mit Defibrillatoren nehme zu, sagt Olaf Winkler, Innovationsexperte beim Medizintechnikverband BV-Med. Die komfortablen Zeiten zweistelliger Wachstumsraten seien vorbei. „Mit Innovationen versuchen die Hersteller, das Therapiefeld zu erweitern.“ Damit zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab wie bei Herzschrittmachern. Dieser frühere Wachstumsmarkt ist gesättigt. Um jährlich 90 000 neue Patienten in Deutschland konkurriert eine Vielzahl von Herstellern.

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