Minimalinvasiv
Künstliche Ader ersetzt die Aorta

Stents helfen nicht nur bei der Behandlung von verstopften Herzkranzgefäßen, sie bieten seit einigen Jahren auch eine Möglichkeit, Verletzungen oder Ausweitungen an der Hauptschlagader (Aorta) ohne chirurgischen Eingriff zu behandeln.

MÜNCHEN. Eine spezielle Gefäßstütze – der so genannte Stentgraft – wird dabei mit einem Katheter über eine freigelegte Ader an der Leiste bis zur defekten Stelle in der Aorta geschoben. Der Arzt entfaltet den Stent über einen Zugmechanismus, der sich durch Eigenspannung an den Aderwänden fixiert. Die Metallröhrchen sind mit Kunststoffgewebe ausgekleidet oder umhüllt und kanalisieren den ausgeuferten Blutfluss an der Ausweitung.

Sie nehmen den Druck von der Aderwand und verhindern, dass diese kleine Risse bekommt, durch die Blut austreten könnte – was lebensbedrohlich sein könnte. „Bis vor wenigen Jahren gab es keine zufrieden stellende Therapie bei einer Ausweitung oder bei Einrissen der Hauptkörperschlagader", sagt Rüdiger Lange, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Deutschen Herzzentrums in München. Trotz chirurgischer Eingriffe und medikamentöser Therapie sind viele Menschen verstorben. „Mit der zunehmenden Erfahrung gelingt es heute sogar, akute Beschädigungen an der Aorta zu reparieren“, so der Geschäftsführende Oberarzt der Klinik, Robert Bauernschmitt.

Eine Ausweitung der Hauptkörperschlagader entwickelt sich über viele Jahre. Pro Jahr gibt es etwa 4 000 Neuerkrankungen. „Viele Menschen merken nichts davon, weil dieser Prozess keine Schmerzen verursacht“, sagt Bauernschmitt. Erst wenn die Ader einreißt, verspürt der Patient einen starken stechenden Schmerz. Dann muss alles ganz schnell gehen, damit der Betroffene nicht innerlich verblutet.

„Die herkömmlichen Notfalloperationen bargen immer ein hohes Risiko“, sagt der Oberarzt der Münchener Herzklinik. Vor allem wenn der Einriss am absteigenden Ast der Aorta auftrat, überlebte nahezu jeder dritte Patient den Eingriff nicht.

Die so genannte endovaskuläre Implantation eines Aortenstents hat sich innerhalb kurzer Zeit durchgesetzt und wird inzwischen an mehreren spezialisierten Zentren durchgeführt. Innerhalb kürzester Zeit konnten die Sicherheit und Wirksamkeit des Verfahrens verbessert werden. Allerdings gibt es noch keine Langzeitergebnisse, man weiß nicht, wie lange die Stents halten, ob sie sich eventuell auch nach Jahren in Richtung des Blutstroms bewegen, oder ob die Gefahr besteht, dass sie sich – wie bei den koronaren Gefäßen – nach einiger Zeit zusetzen.

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