Mumie Ata Rätsel um „Alien-Mumie“ aus Chile gelöst

Kaum so groß wie ein Bleistift ist die Mumie mit dem „Alien-Schädel“ aus der chilenischen Atacama-Wüste. Jetzt haben Forscher ihr Geheimnis enträtseln können.
Kommentieren
Rätsel um „Alien-Mumie“ aus Chile gelöst Quelle: dpa
Mumie Ata

Genforscher haben nachgewiesen, dass das Wesen mit dem bizarr anmutenden Schädel ein Mensch war.

(Foto: dpa)

San FranciscoEin winziges mumifiziertes Wesen wird in der chilenischen Wüste gefunden. Sein merkwürdig geformter Kopf löst Spekulationen aus: Handelt es sich um die Überreste eines Außerirdischen? Nach fünf Jahren intensiver Untersuchung sind sich Genforscher nun sicher: Das nur 15 Zentimeter lange mumifizierte Skelett mit dem bizarr langgezogenen Schädel und den übergroßen Augenhöhlen ist eindeutig das eines weiblichen Menschen.

Der Fund in einem verlassenen Örtchen in der chilenischen Atacama-Wüste hatte 2003 für einiges Aufsehen gesorgt. Sogar ein Dokumentarfilm über die angeblich außerirdische Herkunft des Mini-Wesens, nach seinem Fundort Ata genannt, wurde gedreht.

Tatsächlich litt der kleine, wohl durch eine Frühgeburt zur Welt gekommene Mensch an einer Vielzahl genetischer Mutationen. Sie sind für die diversen Knochen- und Schädel-Fehlbildungen verantwortlich, berichten Forscher der University of California und der Stanford University nun in einem Artikel im Fachjournal Genome Research.

Ägyptens Tote sollen den Lebenden helfen
CT-Termin für ägyptische Mumien
1 von 10

Drei ägyptische Mumien hatten am Mittwoch einen CT-Termin am St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim. Eine stammt aus dem schottischen Aberdeen, die anderen beiden aus der Sammlung der Universität Göttingen.

Fast schon Routine
2 von 10

Für die Radiologen des Krankenhauses ist die Untersuchung von Mumien fast schon Routine: Insgesamt 24 einbalsamierte Tote aus unterschiedlichsten Kulturkreisen haben sie im Computertomographen bereits durchleuchtet.

Interdisziplinäres Forschungsprojekt
3 von 10

Ursprünglich diente die Kooperation zwischen der Klinik und dem Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim nur der Vorbereitung der Ausstellung „Mumien der Welt“. Inzwischen habe sich daraus ein interdisziplinäres Forschungsprojekt entwickelt. Beteiligt sind die Fachgebiete Ägyptologie, Alt-Amerikanistik, Anthropologie, Pathologie, Radiologie sowie Restaurierung.

Ägyptologe Oliver Gauert
4 von 10

Nach der CT-Untersuchung der 2400 Jahre alten Mumie aus Aberdeen zeigt sich Ägyptologe Oliver Gauert begeistert: „Es muss ein Begräbnis der obersten Klasse gewesen sein.“

Mumienuntersuchung im Computertomographen
5 von 10

Der Leichnam der jungen Ägypterin aus Luxor wurde bei der Einbalsamierung mit 50 Lagen hochwertigem Leinen umwickelt. Die Organe wurden entfernt, der Körper mit einem Füllstoff ausgestopft worden. „Möglicherweise handelt es sich dabei um mit Harz durchsetzten Nilschlamm“, so Gauert.

Die Mumie soll ein Gesicht erhalten
6 von 10

Mit Hilfe der gewonnenen Daten soll jetzt das Gesicht der pompös bestatteten Ägypterin rekonstruiert werden. Mumie und Gesichtsrekonstruktion werden ab Ende März in der Ausstellung „Pharao“ im bayerischen Rosenheim zu sehen sein.

Erkenntnisse über aktuelle medizinische Probleme
7 von 10

Zukünftig wollen die Hildesheimer Mumienforscher aber nicht nur die Lebensumstände der Einbalsamierten rekonstruieren, sondern auch Erkenntnisse zu heutigen medizinischen Problemen sammeln.

Von vielen dieser Genveränderungen wisse man bereits, dass sie eine Rolle bei Kleinwuchs, Skoliose und Fehlbildungen an Muskeln und Knochen spielten. Andere Mutationen hingegen seien zwar als mögliche Auslöser von Erkrankungen bekannt, aber bisher noch nie mit solchen Entwicklungsstörungen in Verbindung gebracht worden.

„Ich hatte über einen Freund von dem Körper gehört und mir ein Foto besorgt. Es ist ziemlich beeindruckend“, erinnert sich Mikrobiologe Garry Nolan an den Start der DNA-Sequenzierung vor fünf Jahren. Heute steht nach einem Abgleich mit Referenzgenomen von Schimpanse und Rhesusaffe fest: Ata war definitiv ein Mensch. Ein geografischer Populationsabgleich lässt zudem auf chilenische Herkunft schließen und das Verhältnis abgelesener X- und Y-Chromosomen auf weibliches Geschlecht.

Schon bei der ersten Untersuchung waren weitere Ungewöhnlichkeiten aufgefallen: Das kleine Skelett weist nur zehn statt der üblichen zwölf Rippenpaare auf. Außerdem fand der Knochenexperte Ralph Lachman beim Röntgen heraus, dass bestimmte Knochenteile Atas aussahen wie die eines sechs- oder siebenjährigen Kindes.

Sollte die winzige Ata mit den ungewöhnlichen Deformationen tatsächlich so lange gelebt haben? Nein, folgern die Forscher heute: Ata sei ein Fötus gewesen, habe aber an einer seltenen Erkrankung gelitten, die die Knochen vorzeitig altern lasse.

Dies alles festzustellen, war nur möglich, weil die Wissenschaftler aus Atas Rippen intaktes Erbgut extrahieren und sequenzieren konnten. Das gelang, weil das von der Wüstensonne mumifizierte Skelett nur etwa 40 Jahre alt war.

„Das ist ein großartiges Beispiel dafür, wie uns die Sequenzierung alter Funde dabei hilft, auch moderne Proben zu analysieren“, betont Butte. Und es zeige, dass man sich bei Patienten auf der Suche nach Ursachen für bestimmte Erkrankungen, nicht nur auf eine einzelne Mutation fokussieren solle.

Auch über die Ursachen von Atas zahlreichen Fehlbildungen machten sich die Forscher Gedanken. „Wir können nur spekulieren, aber der Körper wurde in La Noria gefunden, einer von vielen verlassenen Städten der Atacama Wüste, in denen Nitrat abgebaut wurde.“ Dies habe möglicherweise bei den vorgeburtlichen DNA-Schädigungen eine Rolle gespielt.

  • dpa
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%