Nach Krebs-OP Ein Stück Dünndarm für die Speiseröhre

Seite 2 von 2:
Bratwurst-Ballon statt Magensonde
In Deutschland erkranken pro Jahr mehr als 5000 Männern und 1500 Frauen an Speiseröhrenkrebs. Bei fortgeschrittener Erkrankung ist bei vielen Betroffenen ein komplizierter chirurgischer Eingriff nötig. Quelle: dpa
Operationsvorbereitung

In Deutschland erkranken pro Jahr mehr als 5000 Männern und 1500 Frauen an Speiseröhrenkrebs. Bei fortgeschrittener Erkrankung ist bei vielen Betroffenen ein komplizierter chirurgischer Eingriff nötig.

(Foto: dpa)

Die Verpflanzung der Dünndarm-Schleimhaut ist aufwendig. Der Darm ist zwar lang genug. Das Zusammenwachsen der Endstücke und Wundinfektionen bleiben nach einer Entnahme jedoch unkalkulierbar. Es ist alles gut gegangen. Aber es war unklar, ob es den Medizinern gelingen würde, die Schleimhaut aus dem Darm zu lösen und so zu präparieren, dass die Speiseröhre sie annimmt.

In dieser Zeit hatte Helmut Krahl eine Magensonde. Er schaute trotzdem seine Lieblings-Kochsendungen im Fernsehen. „Alle haben mich gefragt, ob ich mich selbst foltern will. Aber das ist eben so eine Gewohnheit von mir.“ Wie die pfälzische Hausmannskost, die er manchmal mit seiner Frau zubereite.

So lässt sich das Krebsrisiko senken
Todesursache Krebs
1 von 10

Rocklegende David Bowie (r.) und Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister sind zwei Fälle in einer langen Liste von Prominenten, die an Krebs gestorben sind. Bösartige Tumore sind nach Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Häufig ist es Schicksal, doch der Lebensstil kann das Krebsrisiko erheblich beeinflussen, wie Experten betonen.

Melanom-Zellen (schwarzer Hautkrebs)
2 von 10

Nach Ansicht vieler Forscher wären insgesamt bis zur Hälfte der bösartigen Tumore vermeidbar, wenn Menschen ihren Lebensstil entsprechend änderten. „Das Schicksal spielt natürlich eine Rolle, aber man kann es stark beeinflussen“, sagt der Leiter der Abteilung Epidemiologie von Krebserkrankungen am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, Rudolf Kaaks.

Krebsrisiko Rauchen
3 von 10

Rauchen sei bundesweit für etwa jeden fünften Krebsfall verantwortlich, warnt Kaaks. Bei Lungen-, Rachen-, Speiseröhren- und Blasenkrebs sei der Anteil sogar noch viel höher. Zudem schädigen Raucher nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Allein in Deutschland sterben jährlich 3000 Menschen durch Passivrauchen an Krebs, so der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, Johannes Bruns.

Krebsrisiko Übergewicht
4 von 10

Den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs kennen viele Menschen nicht, dabei ist er seit Jahren belegt. Nach vorsichtigen Schätzungen könnten darauf mindestens fünf bis sechs Prozent aller Krebsfälle zurückgeführt werden, schätzt DKFZ-Experte Kaaks: „Die Liste der Krebsarten, bei deren Entstehung vermutlich Übergewicht eine Rolle spielt, wird immer länger.“

Krebsrisiko Ernährung
5 von 10

Falsche Ernährung spielt bei bis zu zehn Prozent aller Krebsfälle eine Rolle. Am besten belegt und am stärksten ausgeprägt seien die schädliche Wirkung von rotem Fleisch und die schützende Wirkung von Ballaststoffen, sagt Kaaks. Dass Gemüse und Obst das Krebsrisiko stark senken, habe sich jedoch nicht bestätigt.

Für Aufsehen sorgte zuletzt eine Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Wer viel verarbeitetes Fleisch esse, erhöhe sein Darmkrebsrisiko. Andererseits liefert Fleisch aber auch Eisen und wichtige Vitamine. „Man kann jedes Fleisch bedenkenlos essen. Es kommt aber auf die Menge an“, sagt Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke.

Krebsrisiko Bewegungsmangel
6 von 10

Körperliche Aktivität senkt das Risiko für Darm- und Brustkrebs. „Und es mag sehr wohl sein, dass das auch für viele andere Krebsarten gilt“, sagt Kaaks.

„Fitness wirkt ein Stück weit schützend“, meint auch Johannes Bruns von der Deutschen Krebsgesellschaft. „Aber kein Mensch sollte glauben, vor Krebs gefeit zu sein, nur weil er jedes Jahr den Berlin-Marathon läuft.“

Krebsrisiko Alkohol
7 von 10

Vier bis fünf Prozent aller Krebsfälle sind auf Alkohol zurückzuführen. Vor allem die Kombination von Alkohol und Rauchen sei gefährlich, warnt Kaaks. Ein Glas Wein oder Bier reiche schon aus, um das Risiko für bestimmte Krebsarten leicht, aber nachweisbar zu steigern.

Johannes Bruns ist überzeugt, dass bei Alkohol die Dosis das Gift macht. „Irgendwann ist die Schwelle erreicht, wo der Körper nicht mehr damit umgehen kann und Krebs entsteht“, sagt er. Diese Schwelle sei aber von Mensch zu Mensch sehr verschieden.

Seit der Schleimhaut-Verpflanzung trägt er die Sonde nur noch für den Notfall. Die schönsten Tage des Monats sind die, an denen er normal essen kann. Doch danach muss er wieder nach Berlin, damit seine Speiseröhre gedehnt wird.

„Dazu nehmen die Ärzte einen Ballon in der Form einer Bratwurst“, erläutert er. Alles unter einer sanften Narkose. „Ich merke davon nichts.“ Der schönste Lohn ist für ihn, später in ein Restaurant zu gehen. „Neulich waren wir beim Griechen – einfach herrlich.“ Nicht essen zu können, das mache wirklich einsam.

Chefarzt Hochbergs Kalkulation würde aufgehen, wenn die verpflanzte Schleimhaut sich ausdehnte – und Helmut Krahl nur noch einmal im Jahr zur Bratwurst-Ballon-Behandlung in die Hauptstadt reisen müsste. Doch die Träume des Mediziners reichen weiter. „Das könnte auch eine Methode für kleine Kinder sein, die aus Versehen Chemikalien getrunken haben“, ergänzt er.

Solche Visionen gehen seinem Kollegen Ell dann aber entschieden zu weit. „Das halte ich für unmöglich“, sagt er. Doch auch er hat einen Traum: Irgendwann einmal mit einem kompletten Stück Dünndarm ein Stück geschädigter Speiseröhre zu ersetzen. Doch das ist Zukunftsmusik, ohne Experimente in greifbarer Nähe.

Für Ell war allein schon der Wechsel zur endoskopischen Entfernung früher Tumore aus der Speiseröhre eine kleine Revolution. Noch vor 20 Jahren sei eine große Operation nötig gewesen.

„Danach war die Sterblichkeit höher als bei einer Herztransplantation“, berichtet er. Ein Problem seien aber bis heute bei einigen Patienten die Narben und die immer wieder nötigen Aufdehnungen der Speiseröhre – wie bei Helmut Krahl.

  • dpa
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%