Nach Krebs-OP
Ein Stück Dünndarm für die Speiseröhre

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Bratwurst-Ballon statt Magensonde

Die Verpflanzung der Dünndarm-Schleimhaut ist aufwendig. Der Darm ist zwar lang genug. Das Zusammenwachsen der Endstücke und Wundinfektionen bleiben nach einer Entnahme jedoch unkalkulierbar. Es ist alles gut gegangen. Aber es war unklar, ob es den Medizinern gelingen würde, die Schleimhaut aus dem Darm zu lösen und so zu präparieren, dass die Speiseröhre sie annimmt.

In dieser Zeit hatte Helmut Krahl eine Magensonde. Er schaute trotzdem seine Lieblings-Kochsendungen im Fernsehen. „Alle haben mich gefragt, ob ich mich selbst foltern will. Aber das ist eben so eine Gewohnheit von mir.“ Wie die pfälzische Hausmannskost, die er manchmal mit seiner Frau zubereite.

Seit der Schleimhaut-Verpflanzung trägt er die Sonde nur noch für den Notfall. Die schönsten Tage des Monats sind die, an denen er normal essen kann. Doch danach muss er wieder nach Berlin, damit seine Speiseröhre gedehnt wird.

„Dazu nehmen die Ärzte einen Ballon in der Form einer Bratwurst“, erläutert er. Alles unter einer sanften Narkose. „Ich merke davon nichts.“ Der schönste Lohn ist für ihn, später in ein Restaurant zu gehen. „Neulich waren wir beim Griechen – einfach herrlich.“ Nicht essen zu können, das mache wirklich einsam.

Chefarzt Hochbergs Kalkulation würde aufgehen, wenn die verpflanzte Schleimhaut sich ausdehnte – und Helmut Krahl nur noch einmal im Jahr zur Bratwurst-Ballon-Behandlung in die Hauptstadt reisen müsste. Doch die Träume des Mediziners reichen weiter. „Das könnte auch eine Methode für kleine Kinder sein, die aus Versehen Chemikalien getrunken haben“, ergänzt er.

Solche Visionen gehen seinem Kollegen Ell dann aber entschieden zu weit. „Das halte ich für unmöglich“, sagt er. Doch auch er hat einen Traum: Irgendwann einmal mit einem kompletten Stück Dünndarm ein Stück geschädigter Speiseröhre zu ersetzen. Doch das ist Zukunftsmusik, ohne Experimente in greifbarer Nähe.

Für Ell war allein schon der Wechsel zur endoskopischen Entfernung früher Tumore aus der Speiseröhre eine kleine Revolution. Noch vor 20 Jahren sei eine große Operation nötig gewesen.

„Danach war die Sterblichkeit höher als bei einer Herztransplantation“, berichtet er. Ein Problem seien aber bis heute bei einigen Patienten die Narben und die immer wieder nötigen Aufdehnungen der Speiseröhre – wie bei Helmut Krahl.

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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