Nachgefragt: Ulrich Pluta
„Wir brauchen die Zweifler“

Der Mediziner Ulrich Pluta ist Business Development Manager Gesundheitswesen Oracle. Im Interview erklärt er, warum die Gesundheitskarte in Zukunft auch als Schlüssel zur elektronischen Patientenakte dienen kann.

Handelsblatt: Die elektronische Gesundheitskarte soll 2006 an den Start gehen. Glauben Sie, dass es trotz Neuwahlen dabei bleibt?

Ulrich Pluta: Das Gesetz wurde von SPD und CDU gemeinsam ausgehandelt und hat Bundestag und Bundesrat passiert. Daher gehe ich nicht davon aus, dass eine neue Bundesregierung den Fahrplan wieder in Frage stellen wird. Jetzt liegt das Projekt in den Gremien der Selbstverwaltung, wo Ärzte, Kassen, Apotheker und Krankenhäuser es umsetzen müssen.

Dort geht der Streit weiter: Die Kassen fordern die Hoheit über die Patientendaten. Ärztevertreter und Datenschützer befürchten, dass die Karte sensible Patienteninformationen zum Missbrauch freigeben könnte.

Wir brauchen die Argumente der Zweifler. Denn nur mit ihrer Hilfe können wir eine Lösung entwickeln, die alle Anforderungen eines so wichtigen und kostspieligen Projekts erfüllen. Ich bin überzeugt, dass wir auf jedes Sicherheitsproblem eine technische Antwort finden.

Zunächst soll die Karte ja nur die Chipkarte der Kassen ersetzen. Ist es realistisch, dass die Karte in Zukunft auch als Schlüssel zur elektronischen Patientenakte dienen kann?

Diese Funktion soll von Anfang an genutzt werden können, allerdings nur auf ausdrücklichen Wunsch des Karteninhabers. Dabei sollen die Akten auf gesicherten Datenbanken gespeichert werden. Viele Versicherte werden das Angebot aus Bequemlichkeit nutzen wollen, weil sie die Angaben über frühere Operationen und Medikamentenunverträglichkeiten dann nicht mehr im Kopf behalten müssen. Die Funktion kann aber auch Leben retten. Etwa bei Notfällen oder bei Patienten, die bereits Medikamente einnehmen und deshalb bestimmte andere Mittel wegen gefährlicher Wechselwirkungen nicht einnehmen dürfen.

Gerade die Daten über die Medikamenteneinnahme sind aber sensibel, weil sie Aufschluss über die gesundheitliche Situation geben. Wie soll hier ein Missbrauch verhindert werden?

In Deutschland soll der Zugriff nur möglich sein, nachdem sich der Patient mittels Gesundheitskarte und der Vertreter des Heilberufs durch einen Heilberufsausweis ausgewiesen haben. Dann ist noch die Zustimmung des Patienten nötig – zum Beispiel durch die Eingabe einer Geheimnummer wie man es heute schon vom Gebrauch der EC-Karte kennt. Behörden, Firmen und Marktforscher bleiben so außen vor.

Die Fragen stellte Anna Sleegers.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%