Nahrungsergänzungsmittel
Das große Geschäft mit den Wellness-Pillen

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Viele Produkte sind zu hoch dosiert

Eines der bekanntesten Präparate bei den B12-Vitaminen ist Vitasprint. Das Premiumprodukt aus dem Hause Pfizer ist nach eigenen Angaben Marktführer – allerdings handelt es sich dabei, im Gegensatz zu anderen B12-Produkten, um ein Arzneimittel, das heißt: ohne Wirknachweis, aber sicherheitsgeprüft. Vitasprint ist noch höher dosiert. Je nach Produkt – als Trinkfläschchen oder Kapsel – liegt die B12-Menge bei 200 bis 500 Mikrogramm.

Pfizer teilt mit, „dass es sich bei Vitasprint um ein Arzneimittel handelt und die Dosierung von 500 Mikrogramm für therapeutische Zwecken eingesetzt wird und keinen ernährungsphysiologischen Wert mehr hat“. Für Verbraucher sei der Unterschied aber nicht erkennbar, weil Vitasprint auch in Drogeriemärkten neben den Nahrungsergänzern angeboten werde, sagt Verbraucherzentrale-Expertin Clausen.

Auch andere Produkte sind deutlich zu hoch dosiert, wenn die Grundlage die Empfehlung des BfR ist. Beispiel Magnesium: Unter der Marke Doppelherz von Queisser Pharma, einem der Marktführer für Nahrungsergänzungsmittel, gibt es Produkte in unterschiedlichen Dosierungen mit 210, 250, 300 oder 400 Milligramm sowie mit Zusätzen. Die maximale empfohlene Tageshöchstdosis für Magnesium des BfR liegt bei 250 Milligramm. Auf Anfrage wollte sich das Unternehmen sich dazu nicht äußern.

Überdosierungen bei Nahrungsergänzungs-Produkten sind kein Einzelfall. Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale zeigt: 64 Prozent aller Magnesiumprodukte liegen über der empfohlenen Tagesdosis. Einer der Gründe: Es klinge besser, meint Angela Clausen: „In den Köpfen ist verankert: Viel hilft viel. Auch wenn das nicht stimmt.“

Magnesium Verla ist laut IMS Health das meistverkaufte Nahrungsergänzungsmittel 2016. Das Unternehmen wirbt auf seiner Seite: „Mit nur einer Einnahme die Tagesempfehlung erfüllen.“ Allerdings liegt die mit 300 Milligramm über der Empfehlung des BfR. Andere Magnesium-Produkte aus der gleichen Reihe sind aber deutlich geringer dosiert.

„Die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zur Magnesiumzufuhr über die Nahrung (300 bis 400 Milligramm pro Tag) gilt nur für Gesunde“, teilt das Unternehmen Verla auf Handelsblatt-Anfrage mit. „Für zum Beispiel Kranke oder durch Medikamenteneinnahme belastete Personen können höhere Mengen nötig sein. Was die Ergänzung der normalen Ernährung anbetrifft, schlägt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wie auch das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Höchstmenge von 250 Milligramm Magnesium pro Tag vor.

Das heißt aber nicht, dass höher dosierte Nahrungsergänzungsmittel mit gesundheitlichen Risiken verbunden sind. So kommt die European Food Safety Authority (EFSA) zu dem Schluss, dass Magnesiummengen von etwa 360 Milligramm pro Tag bei einem kleinen Prozentsatz der Erwachsenen zu leichtem Durchfall führen können. 360 Milligramm werden dabei als die niedrigste Menge betrachtet, bei der überhaupt ein unerwünschter Effekt (leichter Durchfall) möglich erscheint. „Unter diesem Aspekt sind Nahrungsergänzungsmittel mit 150 bis 300 Milligramm Magnesium eine sinnvolle Option bei erhöhtem Magnesiumbedarf (zum Beispiel Sport, Stress, Medikamenteneinnahme).“

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