Nanohale-Verfahren
Arznei zum Einatmen

Ein deutsches Forscherteam entwickelt winzig kleine Kapseln, mit denen Wirkstoffe nicht über die Blutbahn, sondern über die Lunge in den Körper transportiert werden können. Tabletten, Spritzen und Infusionen könnten so bald überflüssig werden.

DÜSSELDORF. Das neue Verfahren nennt sich Nanohale. Damit sollen Behandlungen künftig nicht nur bequemer, sondern auch sicherer werden. „Wir verfolgen das Ziel, mit Hilfe von Nano-Objekten eine gesteuerte Aufnahme von Wirkstoffen im Lungengewebe zu erreichen“, erklärt Thomas Kissel, Direktor des Instituts für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Philipps-Universität Marburg. Er ist Sprecher des interdisziplinären Forschungsteams, zu dem Arbeitsgruppen von der Philipps-Universität Marburg, der Justus-Liebig-Universität Gießen und dem GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in München zählen.

Es geht in dem Projekt nicht darum, neue Wirkstoffe zu finden oder neue Verabreichungsformen mit systemischer Wirkung, wie inhalierbares Insulin. „Wir wollen neue Trägersysteme mit Hilfe der Nanotechnologie entwickeln, die einen gezielten Transport von Wirkstoffen ermöglichen“, verdeutlicht Kissel. Dabei entwickeln die Wissenschaftler drei Trägertypen – so genannte Carrier – im Nanoformat: Partikel, Fasern und Röhren. Je nach Krankheitsbild sollen die Träger so gestaltet werden, dass Wirkstoffe nicht nur ideal verteilt, sondern die Medikamente passgenau abgeben werden.

„Die Lunge ist auf Grund der besonderen anatomischen und physiologischen Verhältnisse als Modellorgan besonders gut geeignet, um die Aufnahme und den Transport der Nano-Objekte in ein direkt zugängliches Organ zu studieren“, begründet Kissel den Fokus der Forschung. Die Erkenntnisse sollen zu völlig neuen Behandlungsmethoden führen.

Die an der Marburger Uni entwickelten Partikel sind 50 bis 1 000 Nanometer klein. Ihre Oberfläche ist so gestaltet, dass sich an sie wahlweise wasser- oder fettliebende Moleküle anlagern können – je nachdem, an welchen Stellen sie in der Lunge aufgenommen werden sollen. Außerdem können die Nanoträger so gebaut werden, dass sie sich unterschiedlich schnell auflösen: innerhalb von 24 Stunden oder erst nach Tagen. Je nachdem, was günstiger ist, um den jeweiligen Wirkstoff sicher in den Zellen freizusetzen.

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