Natürliche Wirkstoffe
Pharmafirmen entdecken den Ozean

Algen, Schwämme und Korallen lassen Tumore schrumpfen und bremsen das HI-Virus, sie hemmen Malariaerreger und machen Bakterien den Garaus. Von Meeresbewohnern gelieferte Wirkstoffe ermöglichen neue Ansätze bei der Behandlung vieler Erkrankungen. Nun steigen auch die Pharmakonzerne ein.

DÜSSELDORF. Nach jahrzehntelanger Grundlagenforschung an Universitäten oder in spezialisierten Biotechfirmen entdecken nun Pharmakonzerne die Medizin aus dem Meer. Algen, Schwämme und Korallen lassen Tumore schrumpfen und bremsen das HI-Virus, sie hemmen Malariaerreger und machen Bakterien den Garaus. Von Meeresbewohnern gelieferte Wirkstoffe ermöglichen neue Ansätze bei der Behandlung vieler Erkrankungen. Nach jahrzehntelanger Grundlagenforschung an Universitäten oder in spezialisierten Biotechfirmen entdecken nun Pharmakonzerne die Medizin aus dem Meer.

Zu den Pionieren der sogenannten blauen Biotechnologie zählt die 1986 gegründete spanische Pharma-Mar, Tochter des Chemie- und Pharmakonzerns Zeltia. Mit dem Krebspräparat Yondelis gelang jüngst ein Durchbruch - erst seit einigen Monaten ist das Medikament auf dem Markt. Pharma-Mar kooperiert dabei mit der Johnson & Johnson-Tochter Janssen-Cilag in Neuss, in Deutschland Nummer neun unter den forschenden Pharmafirmen. Vorbild für den Yondelis-Wirkstoff Trabectedin ist eine Substanz des Manteltierchens. Weitere Krebspräparate von Pharma-Mar befinden sich derzeit in klinischen Studien.

Beim Schritt vom Labor hin zum Produkt spielen die Pharmakonzerne eine zentrale Rolle: "Sie steigen ein, wenn sich ein Wirkstoff für die konkrete Anwendung in der Arzneientwicklung eignet und wenn die Studien richtig teuer werden", sagt Siegfried Throm, Geschäftsführer Forschung, Entwicklung und Innovation beim Verband Forschender Arzneimittelhersteller. Auch die Grundlagenforschung stößt zunehmend auf Interesse. So kooperiert Sanofi-Aventis, einer der weltweit führenden Pharmakonzerne, seit Ende 2007 mit einem Greifswalder Start-up, um Organismen in der Ostsee zu untersuchen.

Eine bereits auf dem Markt erfolgreiche Allianz hat die Biotech-Firma Marinomed geschmiedet, ein Spin-off der Wiener Veterinärmedizinischen Universität. Marinomed hat jüngst mit dem Pharmaunternehmen Sigmapharm ein Nasenspray namens Coldamaris prophylactic auf den Markt gebracht. Das Spray enthält Carragelose, einen Wirkstoff der Rotalge, und bildet einen antiviralen Schutzfilm auf den Schleimhäuten. Es ist damit das erste Nasenspray, das die Ursache des Schnupfens bekämpft - und nicht nur die Symptome. Derzeit entwickelt Marinomed weitere antivirale und antiallergische Präparate.

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