Neu entwickelte Navigationstechnik
Mediziner optimieren Gehirnoperation

An der Neurochirurgischen Klinik Erlangen-Nürnberg arbeiten Mediziner gemeinsam mit Informatikern, Ingenieuren und Physikern an einer aufsehenerregenden Technik: Sie macht die Veränderungen sichtbar, die während einer Operation bei Hirntumoren eintreten und sorgt so dafür, dass sich Gehirnchirurgen künftig genauer orientieren und den Tumor vollständig entfernen können.

HB ERLANGEN. Während einer Hirnoperation orientiert sich ein Arzt normalerweise an Bildern, die vor dem Eingriff aufgenommen worden sind. Das Problem dabei: Während des Eingriffs ändern sich die Strukturen des Gehirns; Fachleute bezeichnen diesen Vorgang als „brain shift“. Diese Veränderungen sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. In einer Studie stellte die Erlanger Arbeitsgruppe fest, dass sich der operierende Arzt bei der genauen Lokalisierung des Tumors denn auch in einem Drittel der Fälle irrt. Die vorher aufgenommenen Bilder stimmten nicht mehr mit der aktuellen Situation überein. Die Folge solcher Irrtümer ist, dass Tumore nicht komplett entfernt werden. Ein erneuter Eingriff aber stellt eine gewaltige Belastung für den Patienten dar.

Intraoperative Bilder, die mit Hilfe eines Navigationsmikroskops direkt während des Eingriffs aufgenommen werden, sind nicht statisch, sondern dreidimensional und elastisch. „Chirurgen können so während einer Operation auf dem Bildschirm jede aktuelle Veränderung der Hirnstruktur verfolgen“, erläutert Christopher Nimsky, Oberarzt am Erlanger Klinikum, den Vorteil der neuen Technik.

Diese mikroskopisch genauen Bilder werden mit Hilfe eines Magnetresonanztomographen (MRT) generiert. Auch andere Kliniken in Deutschland besitzen inzwischen solche Kernspintomographen, verwenden diese aber in der Regel ausschließlich zur Diagnose. Von der Technik, die von der Erlanger Arbeitsgruppe entwickelt wurde, könnten auch sie künftig profitieren.

Die Arbeitsgruppe aus Ärzten, Physikern und Ingenieuren hat gemeinsam an der Entwicklung der Geräte – vom Mikroskop bis zum Rechner – gefeilt, und zusammen mit Informatikern wurden die erforderlichen Bildprogramme entwickelt. „Ein Fachbereich allein hätte die Fülle von Problemen nicht lösen können“, sagt Nimsky.

Am Ziel sieht sich die ehrgeizige Erlanger Truppe aber noch lange nicht. Sie will das Verfahren so weit entwickeln, dass auch Operationen möglich werden, die heute noch als zu riskant gelten. Weniger Menschen sollen an Hirntumoren sterben, so die Vision.

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