Neue Studie
Taille bestimmt das Herzrisiko

Das Herzinfarktrisiko durch Übergewicht lässt sich nach einer neuen Studie am besten am Umfang von Taille und Hüfte ablesen. Demnach müssten rund drei Mal so viele Menschen als herzinfarktgefährdet eingestuft werden wie nach dem bisher betrachteten Body-Mass-Index (BMI). Das berichten kanadische Forscher im Medizinjournal „The Lancet“ (Bd. 366, S. 1 640).

dpa LONDON. Einer zweiten Studie zufolge könnte zudem ein Mix aus Aspirin und einem Blutgerinnsel-Hemmer tausenden Herzinfarktpatienten das Leben retten. Der Wirkstoff Clopidogrel sollte als Routinebehandlung erwogen werden, schreiben britische Forscher ebenfalls in „The Lancet“ (Bd. 366, S. 1 607). Weltweit erleiden jährlich rund zehn Millionen Menschen einen Herzinfarkt.

Zhengming Chen von der Universität Oxford (Großbritannien) und Kollegen untersuchten 45 852 Herzinfarktpatienten in chinesischen Kliniken. Zusätzlich zur täglichen Dosis Aspirin bekam die eine Hälfte der Probanden bis zu vier Wochen lang 75 Milligramm Clopidogrel am Tag, die andere Hälfte ein wirkstoffloses Scheinmedikament (Placebo). Dabei zeigte sich, dass Clopidogrel die Zahl erneuter Infarkte und Schlaganfälle um neun Prozent reduzierte. Sieben Prozent aller Todesfälle ließen sich so vermeiden. Würden nur eine Million der jährlich zehn Mill. Herzinfarktpatienten weltweit so behandelt, ließen sich 5 000 Todesfälle sowie 5 000 nicht tödliche neue Infarkte und Schlaganfälle verhindern, meint Chen. Clopidogrel ist auch in Deutschland zugelassen.

Als Indikator für das Herzinfarktrisiko untersuchten Forscher um Salim Yusuf von der kanadischen Mcmaster-Universität in Hamilton (Ontario) den Body-Mass-Index sowie den Taillen- und Hüftumfang bei mehr als 27 000 Probanden aus 52 Ländern. Die Hälfte der Studienteilnehmer hatte bereits einen Herzinfarkt erlitten, die andere Hälfte war eine in Alter und Geschlecht vergleichbare Kontrollgruppe. Dabei zeigte sich, dass der BMI bei den Herzinfarkt-Patienten im Mittel nur leicht höher war als in der Kontrollgruppe. Die Herzinfarktpatienten hatten dagegen ein auffallend höheres Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang.

Diese Beobachtung galt für Männer und Frauen, für alle Altersgruppen und in allen untersuchten Regionen. Ein großer Taillenumfang deute auf viel gesundheitsgefährdendes Bauchfett, erläutern die Forscher. Ein größerer Hüftumfang sei dagegen ein Hinweis auf tiefer liegende Muskeln, die schützend wirkten. „Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass eine umfangreiche Neubewertung bei der Bedeutung der Fettleibigkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in vielen Regionen der Welt nötig ist“, meint Yusuf.

Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm, geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Als normal gilt ein Wert zwischen 19 und 25.

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