Neue Therapie-App
Der Migräne-Kampf per Smartphone

Anfallartige Kopfschmerzen gehören für viele Menschen zum Alltag. Eine neue Analysesoftware zeigt Migräne-Patienten, wie sie Attacken vorbeugen können – ohne sofort zum Medikament greifen zu müssen.

FrankfurtWetterumschwünge, ein unruhiger Schlaf oder schlicht Stress im Beruf – viele Faktoren beeinflussen eine Migräne-Attacke. Der pulsierende, meist halbseitige Kopfschmerz, ist eine neurologische Erkrankung, an der etwa zwölf Prozent der Erwachsenen leiden – Frauen dreimal häufiger als Männer. Vielen Betroffenen hilft oft nur der Rückzug in ein abgedunkeltes Zimmer.

„Für Migräneanfälle sind anhaltende elektrische Entladungen von Nerven verantwortlich. Stress oder andere Auslöser kippen regelrecht einen Schalter im Gehirn um“, beschreibt Markus Dahlem, Migräneforscher und Medizinvorstand beim Berliner Start-up Newsenselab das Phänomen. Was genau die Schalter um Kopf umlegt, ist bei jedem Menschen individuell anders. Aber das Umkippen kann mit Hilfe von mathematischen Algorithmen analysiert, abgebildet und prognostiziert werden.

Das ist der Grundgedanke der App M-sense. Die Analysesoftware setzt Algorithmen ein, um Migränepatienten den Zusammenhang zwischen Wetter, Schlaf, Aktivität, Stress und ihrer Kopfschmerzattacke aufzuzeigen. Ab sofort gibt es das Produkt in der Android-Version im Google Play Store. Eine iOS-Version für das iPhone ist für das erste Quartal 2017 geplant.

Wetterdaten werden bei M-sense automatisch erfasst – das bietet bereits die kostenlose Basisversion. Zudem können weitere relevante Faktoren von Betroffenen in der Software dokumentiert werden. Bei Frauen etwa spielt häufig der Menstruationszyklus eine Rolle.

Über die Analyse des individuellen Schmerzmusters wird den Betroffenen eine auf sie zugeschnittene nicht-medikamentöse Therapie zur Reduktion der Attacken angeboten. Die folgt den medizinischen Leitlinien und beinhaltet beispielsweise ein Programm zur progressiven Muskelentspannung. Die erweiterte Version der App mit Therapiehilfen wird für monatlich 14,99 Euro angeboten.

Die Idee für eine Migräne-App hatte der Wirtschaftsingenieur Stefan Greiner vor knapp zwei Jahren. Der Gründungsgesellschafter und heutige CEO des Start-up Newsenselab hat sich bereits im Studium mit der Mensch-Computer-Interaktion beschäftigt. Gespräche mit seiner Mitbewohnerin, die seit Jahren an Migräne leidet, bewogen ihn, eine Software zur Diagnose von Einflussfaktoren von Migräneattacken zu entwickeln.

Schnell gewann er seinen Freund Markus Dahlem für die Idee. Dahlem, promovierter theoretischer Physiker, forscht bereits seit 20 Jahren über Migräne. Gemeinsam mit zwei weiteren Gründern starteten sie im Januar dieses Jahres das Unternehmen Newsenselab, finanziert mit Mitteln aus dem Exist-Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums.

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