Neue Therapieansätze können das Leben HIV-Infizierter nur verlängern
Wundermittel gegen Aids bleibt aus

Pharmakonzerne lassen sich den Kampf gegen HIV Jahr für Jahr Millionen kosten. Doch auch die kostspieligsten Forschungsprojekte konnten bislang nur Medikamente hervorbringen, die den Ausbruch der Krankheit verzögern und den Verlauf lindern können

FRANKFURT/M. Gaetan Dugas ist zu trauriger Berühmtheit gelangt. Im Jahr 1980 ging der kanadische Flugbegleiter wegen merkwürdiger Hautflecken zum Arzt. Nur wenig später hatte die Wissenschaft den hübschen blonden Jungen zum „Patient zero“ gemacht. Dugas war der erste, an dem Ärzte die neu entdeckte Krankheit Aids diagnostizierten – sein bewegtes Liebesleben machten den Vielflieger zum Negativ-Symbol der homosexuellen Promiskuität und zum Forschungsobjekt der Epidemiologen.

Als Dugas 1984 in einem Krankenhaus an den Folgen seiner Infektion starb, hatte sich bereits herausgestellt, dass die Immunschwächekrankheit keineswegs nur Homosexuelle gefährdet. Das für die Erkrankung verantwortliche Virus war isoliert und hatte einen Namen erhalten: „human immunodeficiency virus“, auf deutsch „menschliches Immunschwäche-Virus“ oder kurz HIV. Auch zwei Jahrzehnte nach Dugas Tod haben Pharmaforscher noch kein Mittel gefunden, das die Krankheit besiegt.

Pharmakonzerne wie Glaxo Smithkline, Pfizer, Boehringer Ingelheim und Roche lassen sich den Kampf gegen HIV Jahr für Jahr Millionen kosten. Doch auch die kostspieligsten Forschungsprojekte konnten bislang nur Medikamente hervorbringen, die den Ausbruch der Krankheit verzögern und den Verlauf lindern können. „Wir haben aus einer akuten Erkrankung mit unabwendbar tödlichem Ausgang eine chronische Krankheit gemacht, mit der man sehr lange leben kann“, sagt Chris Hitchcock, der die HIV-Forschung des Pfizer-Konzerns leitet. Die Diagnose HIV ist heute kein Todesurteil mehr, das sofort vollstreckt wird. Dank der Mitte der neunziger Jahre entwickelten Kombinationstherapie dauert es oft Jahre, bis die Krankheit überhaupt zum Ausbruch kommt.

Der Preis, den HIV-Positive für die zusätzlichen Lebensjahre zahlen, ist hoch. Dreimal am Tag bis zu sechs verschiedene Pillen einzunehmen, wäre schon ohne Nebenwirkungen eine Belastung.

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