Neuer Bluttest
Studie macht Hoffnung auf Alzheimer-Früherkennung

Eine Medikation bei Alzheimer ist oft schwierig, da die Krankheit oft zu spät erkannt wird. Forscher des Londoner Kings College wollen einem Bluttest zur Früherkennung einen entscheidenden Schritt näher gekommen sein.
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LondonAuf der Suche nach einem einfachen Test zum Nachweis von Alzheimer sind britische Wissenschaftler einen großen Schritt vorangekommen. Forscher am Londoner Kings College identifizierten zehn Proteine im Blut, mit denen sich der Beginn der bislang unheilbaren Demenzerkrankung vorhersagen lässt. An der Londoner Börse sorgte die Nachricht für Furore: Der Aktienkurs der kleinen Biotechfirma Proteome Sciences, die an den Arbeiten beteiligt war, sprang am Dienstag zeitweise mehr 15 Prozent in die Höhe.

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Für die Krankheit charakteristisch ist ein langsames und bislang nicht aufhaltbares Absterben von Gehirnzellen. Die Betroffenen leiden unter anderem an fortschreitenden Gedächtnisstörungen, dem allmählichen Verlust ihres Denkvermögens und sind zunehmend auf Hilfe angewiesen. Typisch für die 1906 vom deutschen Neurologen Alois Alzheimer erstmals nachgewiesene Krankheit sind auffällige Eiweißablagerungen im Gehirn.

Die Forscher am Kings College untersuchten Blutproben von 1.148 Menschen, darunter 476 Alzheimer-Patienten und 220 mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI), einer Vorstufe der Demenz. Sie fanden 16 Proteine, die mit Gehirnschädigungen einhergehen, wie sie bei MCI oder Alzheimer vorkommen. Die Wissenschaftler starteten daraufhin eine zweite Testreihe, um herauszufinden, mit welchen dieser Proteine sich der Beginn von Alzheimer vorhersagen lässt. Ihr Ergebnis: Es gibt eine Kombination von zehn Proteinen, mit denen sich bei Menschen mit MCI der Beginn von Alzheimer innerhalb eines Jahres mit einer Sicherheit von 87 Prozent prognostizieren lässt.

„Ein einfacher Bluttest könnte helfen, Patienten für die Teilnahme an Studien zur Entwicklung neuer Arzneien viel früher zu identifizieren“, sagte Simon Loveston von der Oxford University, der die Arbeiten am Kings College leitete. Alzheimer schädige das Gehirn bereits viele Jahre, bevor die Krankheit üblicherweise diagnostiziert werde. „Viele unserer Medikamentenstudien schlagen fehl, weil das Gehirn bereits zu schwer betroffen ist, wenn den Patienten das Medikament gegeben wird.“ Zwar arbeiten internationale Konzerne wie Roche, Eli Lilly und Merck & Co intensiv an neuen Wegen zur Bekämpfung der Krankheit. Die Forschung gilt aber als sehr riskant: Allein in den vergangenen 15 Jahren sind mehr als 100 neue Wirkstoffe in Tests durchgefallen.

Alzheimer-Experten hoffen nun, dass sich die Ergebnisse der Wissenschaftler in größeren Tests bestätigen lassen. Sie warnen zugleich vor voreiligen Erwartungen. Diese Resultate bedeuteten nicht, dass ein Bluttest für Alzheimer bereits vor der Tür warte, sagt etwa James Pickett, Forschungschef der Alzheimer Society.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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