Neues Implantat
Kunststoff-Meniskus lässt Sportler hoffen

Fast 190 000 Menschen müssen sich in Deutschland pro Jahr einer Meniskus-Operation unterziehen. Vor allem Sportler kennen das Problem, wenn der „Stoßdämpfer“ nicht mehr funktioniert. Ein neues Implantat weckt jetzt Hoffnung auf langfristigen Behandlungserfolg.
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dpa HEIDELBERG. Skeptisch schaut Dominik Nisius auf die Leinwand. Knapp zehn Monate ist seine eigene Meniskus-Operation her - jetzt sieht er, was während der Vollnarkose geschah. Ein wenig schluckt auch er, als Operateur Rainer Siebold das Endoskop in dem Knie kräftig bewegt - obwohl dem 27-Jährigen als Student für Orthopädietechnik derartige Anblicke nicht fremd sind. Für den Handballer ist die OP allerdings längst abgehakt. „Ich kann wieder Sport treiben“, sagte er.

Ende 2007 sah das anders aus: „Ich hatte stechende Schmerzen, konnte nicht mehr stehen und nicht mehr Treppen steigen“, schildert der junge Mann aus der Nähe von Düsseldorf. Er gehört zu den rund 60 Patienten, die in Europa ein neuartiges Meniskus-Implantat im Rahmen Studie erhalten haben. Nun ist es in Deutschland auch offiziell auf dem Markt.

Das Kunststoffimplantat besteht aus Polyurethan und wird so an den beschädigten eigenen Meniskus angenäht, dass es durchblutet wird und ein meniskusähnliches Gewebe entsteht. Der Kunststoff baut sich ab, erläutert die Londoner Herstellerfirma Orteq Bioengineering am Dienstag zur Markteinführung in Heidelberg. Im Knie entstehe neues eigenes Gewebe, erklärt Knie-Experte Hans H. Pässler, der Handballer Nisius operiert hat. „Das Gewebe ist später kaum voneinander zu unterscheiden.“ Vorteil laut Hersteller: Das mit Meniskusverletzungen einhergehende Arthrose-Risiko wird gesenkt.

Das Produkt namens Actifit hatte im Sommer die europäische Zulassung erhalten. Es kostet nach Angaben des Herstellers 1950 Euro. An diesem Morgen erhält es ein 29-Jähriger. Bis vor vier Jahren hat er Fußball gespielt, berichtet Siebold aus dem OP-Saal in der ATOS Klinik in Heidelberg. Seit September 2008 leide der Patient an den Schmerzen infolge einer Meniskusverletzung - der „Stoßdämpfer“ ist defekt.

Wie schwer die Verletzung ist, zeigt das Endoskop: der Knorpel ist schon beschädigt. „Das führt später zu Arthrose“, erklärt Siebold. Großzügig schneidet der Orthopäde das Implantat auf etwa drei Zentimeter zu und schiebt es auf den richtigen Platz. Die schwammartige Konsistenz passt sich dabei winzigen Windungen an. Dann wird das ganze mit vier Stichen festgenäht - fertig.

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