Nierentransplantationen
Hoffnung für Dialysepatienten

Zunehmend gelingen in Deutschland Transplantationen mit Nieren von lebenden Spendern. Nach Freiburg, Berlin und Hannover berichten jetzt auch das Tübinger Uniklinikum und das Transplantationszentrum der Ruhr-Universität Bochum von erfolgreichen Nierentransplantationen.

TÜBINGEN/DÜSSELDORF. Trotz hoher Bereitschaft zur Lebendspende kann eine Transplantation oftmals nicht durchgeführt werden, weil die Blutgruppen von potenziellen Spendern und Empfängern unverträglich sind (AB0-Inkompatibilität). Bei einer nach dem normalen Verfahren durchgeführten Transplantation würde der Empfänger das fremde Organ sofort durch die im Blut vorhandenen Antikörper abstoßen.

Das Freiburger Transplantationszentrum hat bereits 2004 ein Verfahren entwickelt, das eine Transplantation auch mit blutgruppeninkompatiblen Partnern ermöglicht. Seitdem wurde 21 Patienten mit dem neuen Verfahren geholfen. Jetzt ist den Tübinger Ärzten sogar eine Transplantation bei einer zusätzlichen Gewebeunverträglichkeit gelungen. „Diese Kombination tritt zwar nur selten auf, das neue Verfahren der Tübinger Kollegen räumt nun auch hier die letzten Barrieren beiseite“, sagt Bernhard Krämer, Generalsekretär der Deutschen Transplationsgesellschaft und Transplantationsmediziner an der Universität Regensburg.

Die Transplantationsmediziner setzen bei den neuen Verfahren auf eine spezielle Blutwäsche – eine so genannte Immunadsorption –, die Mediziner in Schweden entwickelt haben. „Das Verfahren ist vergleichbar mit der Blutwäsche bei der Dialyse. Allerdings werden hier nur die Antikörper herausgewaschen, die sich speziell gegen die fremde Blutgruppe richten“, erläutert Przemyslaw Pisarski, Leiter der Sektion Transplantation Chirurgische Universitätsklinik Freiburg. Zusätzlich wird der Patient mit einem speziellen Antikörper-Präparat behandelt, das die Zellen inaktiviert, die für die Antikörperproduktion gegen die fremde Blutgruppe und das inkompatible Gewebe verantwortlich sind.

„Die größten Erfahrungen bei der Organübertragung von Lebendspendern gibt es in Japan“, sagt Przemyslaw Pisarski. In den letzten 20 Jahren wurden dort an 55 Zentren über 440 Patienten mit ABO-inkompatiblen Blutgruppen transplantiert. Allerdings haben die Mediziner dort als Schutz vor einer Abstoßung des Spenderorgans gleichzeitig auch die Milz entfernt wurde.

Dieses Organ ist unter anderem für die Produktion von Antikörpern zuständig. Die Entfernung sollte sicherstellen, dass die neue Niere vom Körper des Patienten nicht abgestoßen wird. Allerdings stellt die Entnahme des Organs eine zusätzliche Belastung für den Patienten dar. Außerdem steht die Milz dann nicht mehr zur Immunabwehr zur Verfügung.

In Deutschland ist es erstmals den Freiburgern gelungen, eine Abstoßungsreaktion zu verhindern, ohne die Milz vorher zu entfernen. Die damit verbundene Immuntherapie wurde nach und nach von immer mehr Kliniken übernommen, so dass es den Dialysepatienten künftig immer leichter fallen dürfte, einen Lebendspender zu finden.

Das hätte zudem den Vorteil, dass die Chancen für die Patienten nach einer Lebendspende besser sind: Nach einem Jahr sind noch etwa 85 Prozent der Transplantate Verstorbener intakt, nach Lebendspende sind dies nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation noch 94 Prozent. Der Hauptgrund dafür ist wohl, dass die Zeit zwischen Entnahme und Einpflanzung bei der Lebendspende geringer ist.

Von 2 712 Nierentransplantationen im Jahr 2005 waren allerdings nur etwa 20 Prozent von lebenden Spendern. Die Stiftung Lebendspende hofft, dass sich dies nach den Erfolgen in der Transplantationsmedizin ändern wird. Gleichzeitig will sich die Organisation für eine bessere Nachsorge für die Organspender engagieren. Nach der Transplantation wird der Empfänger einer Lebendorganspende in ein Nachsorgeprogramm aufgenommen. Der Lebendspender ist nicht so gut versorgt, weil die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen.

Da mit den neuen Verfahren nun sehr viel mehr Spender in Frage kommen, könnte sich der Druck für Verwandte oder Freunde erhöhen, Organe zur Verfügung zu stellen. Damit dies nicht passiert, muss schon heute eine unabhängige Kommission die Spendenbereitschaft prüfen.

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