Norovirus Neue Virenvariante sorgt für tausende Erkrankungen

In den ersten vier Wochen des Jahres haben Noroviren doppelt so viele Erkrankungen verursacht wie im Vorjahreszeitraum. Schuld an der starken Ausbreitung ist offenbar eine neue Variante des Erregers.
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Die Viren verursachen starkem Durchfall und Erbrechen. Vor allem Kinder und ältere Menschen sind gefährdet. Quelle: dpa
Noroviren unter dem Elektronenmikroskop

Die Viren verursachen starkem Durchfall und Erbrechen. Vor allem Kinder und ältere Menschen sind gefährdet.

(Foto: dpa)

BerlinDie starke Ausbreitung der Noroviren in diesem Winter hängt offenbar mit einer neuen Variante des Erregers zusammen. Diese sei bei sporadischen Infektionen ebenso nachgewiesen worden wie bei Ausbrüchen in neun Bundesländern, berichten Experten des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) im jüngsten epidemiologischen Bulletin.

Die Mediziner hatten von September bis Dezember vergangenen Jahres 240 Proben aus 13 Bundesländern genauer untersucht. Insgesamt gingen rund 40 bis 50 Prozent dieser Norovirus-Erkrankungen auf den neuen Virentyp GII.P16-GII.2 zurück. Er sei auch in anderen Ländern wie etwa Frankreich, Australien, Japan und China aufgetreten.

Noroviren auf dem Vormarsch
Noroviren
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Das Norovirus breitet sich in diesem Winter besonders stark aus. Allein in der Woche vor Weihnachten wurden in Deutschland 5289 Erkrankungen gemeldet, berichtet das Robert Koch-Instituts (RKI). In den vergangenen Jahren waren es in der Woche vor Weihnachten meist viel weniger Fälle.

Mehr als 5000 Erkrankungen pro Woche
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Es sei nicht ungewöhnlich, dass dieser Erreger in manchen Jahren stärker auftrete als in anderen, sagt Susanne Glasmacher vom RKI. „Wir kennen das Phänomen, dass die Werte alle paar Jahre erhöht sind.“ Auch im Winter 2009/2010 wurden pro Woche oft mehr als 5000 Erkrankungen gemeldet worden – aber erst im Januar und Februar.

Gefahr für Kinder und alte Menschen
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Im Winter geht der Magen-Darm-Plagegeist stets besonders intensiv um. In diesem Winter infizieren sich laut RKI wohl auch deshalb mehr Menschen, weil eine neue Virusvariante umgeht. Der Erreger löst starken Durchfall und Erbrechen aus und führt zu massivem Flüssigkeitsverlust. Vor allem für Kleinkinder, alte Menschen und geschwächte Personen ist das Virus gefährlich, typische Ausbreitungsorte sind Kindergärten und Altenheime.

Perfektes Virus
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Doch das Norovirus kann viel mehr, als nur Brechdurchfall in Kindergärten zu verursachen: Unter Fachleuten gilt Noro als das perfekte Virus – äußerst variabel, widerstandsfähig und kaum zu besiegen. So fehlt es derzeit auch noch an wirksamen Medikamenten gegen den Erreger – auch deshalb, weil Noroviren lange Zeit nicht im Labor kultivierbar waren.

Widerstandsfähiger Gegner
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Sich von offensichtlich Kranken fernzuhalten, reicht leider nicht, um sich vor dem Norovirus zu schützen. Selbst im Krankenhaus überlebt der Erreger mitunter Hygienemaßnahmen fast unbeschadet. Obwohl die typischen Norosymptome binnen weniger Tage verschwinden, können ehemalige Infizierte monatelang ansteckend bleiben, immunschwache Patienten sogar noch deutlich länger.

Wie kann man sich schützen?
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Als wirksamste Waffe zum Schutz vor dem Erreger gilt nach wie vor häufiges und intensives Händewaschen, vor allem nach dem Toilettengang und nach Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Besuchen von Orten, an denen sich viele Menschen aufhalten.

Tödliche Gefahr für Kinder
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Menschen mit gesundem Immunsystem haben von der akuten Norovirusinfektion meist nichts zu befürchten. Doch ein Teil der Noroinfektionen endet tödlich. Die Opfer sterben durch den Wasser- und Elektrolytverlust wegen der schweren Brechdurchfälle. Deswegen trifft es hauptsächlich Kinder unter fünf Jahren sowie ältere Menschen über 75, deren Flüssigkeitshaushalt besonders anfällig ist. Weltweit sterben pro Jahr etwa 50.000 Kinder unter fünf Jahren an Norovirusinfektionen, schätzt die US-Gesundheitsbehörde CDC.

Das Norovirus kann zu starkem Durchfall und Erbrechen führen. Relativ hohe Werte mit bundesweit mehr als 5000 gemeldeten Fällen wöchentlich waren bereits vor Weihnachten beobachtet worden.

In den ersten vier Wochen 2017 wurden laut dem Bericht insgesamt rund 13.700 Erkrankungen in Deutschland registriert. Das sind knapp doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Es werden jedoch längst nicht alle Fälle gemeldet.

Experten hatten schon vor einiger Zeit eine neue Variante hinter dieser Entwicklung vermutet. Das Virus ist jedoch nicht gefährlicher als sonst.

„Es kann sich nur besser vor dem Immunsystem verbergen, so dass mehr Leute erkranken“, sagte eine RKI-Sprecherin. Dem Institut zufolge ist es auch normal, dass das Norovirus in manchen Jahren stärker auftritt als in anderen.

Die Erkrankung ist hoch ansteckend und kann sich so zum Beispiel in Kitas und Pflegeheimen schnell ausbreiten. Weil Patienten viel Flüssigkeit verlieren, kann eine Infektion vor allem für Kleinkinder, Alte und Geschwächte gefährlich sein.

  • dpa
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