Oberstes US-Gericht
Verbot von Patenten auf menschliches Erbgut

Eine Klage gegen Patente auf krebsauslösende Gene nimmt das Oberste US-Gericht zum Anlass, um eine Grundsatzentscheidung zu fällen. Menschliche DNA sei nicht patentierbar – das gilt aber nicht für nachgeahmtes Erbgut.
  • 2

WashingtonDas Oberste Gericht der USA hat Patente auf menschliches Erbgut in einer Grundsatzentscheidung verboten. Die menschliche DNA sei ein „Produkt der Natur“, das im Gegensatz zu künstlich nachgeahmtem Erbgut nicht patentiert werden könne, erklärte der Supreme Court am Donnerstag. Damit entschieden die Richter gegen das Unternehmen Myriad Genetics, das bislang Patente auf zwei krebsauslösende Gene hielt und exklusiv mehrere tausend Dollar teure Tests für diese Mutationen anbot.

„Naturgesetze“ und „Naturphänomene“ könnten ebenso wenig Patentschutz erhalten wie „fundamentale Werkzeuge der wissenschaftlichen und technologischen Arbeit“, entschieden die Richter. Ein Gen könne nicht einfach nur deswegen patentiert werden, „weil es isoliert wurde“, erklärten sie. Die neun Top-Juristen fällten ihre Entscheidung einstimmig.

Künstlich nachgeahmtes Erbgut könne aber sehr wohl patentiert werden, „da es nicht von der Natur hergestellt wird“. Die Aktien von Myriad Genetics schossen an der Wall Street nach der Urteilsverkündung bis zu zehn Prozent in die Höhe.

In dem Verfahren ging es um das Pharmaunternehmen Myriad Genetics, das in den 90er-Jahren zwei krebsauslösende Gene isoliert und sich 1998 mehrere Patente auf dieses Erbgut gesichert hatte. Dies gab dem Unternehmen bislang die Möglichkeit, Tests für die Gene mit den Abkürzungen BRCA1 und BRCA2 exklusiv zu vermarkten. Die beiden Gene erhöhen das Risiko stark, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken.

Die Gene sollen bei der Diagnose genetisch bedingter Brustkrebsgefahr helfen. Der Supreme Court lobte die Entdeckung des Unternehmens als bahnbrechend und wichtig. Aber das reiche als Grundlage für ein Patent nicht aus.

Myriad Genetics hatte in dem Verfahren argumentiert, es habe nur wegen der Aussicht auf gute Gewinne die hohen Kosten für die Decodierung der Gene und die Entwicklung der Tests tragen können. Ein Anwalt des Unternehmens bezeichnete Gene zudem als „menschliches Konstrukt“.

Seite 1:

Verbot von Patenten auf menschliches Erbgut

Seite 2:

Auch Jolie bedauerte hohe Kosten für die Tests

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%