Orthopäden hoffen auf baldige Anwendung
Stammzellen ersetzen Sehnen und Bänder

Die Stammzelltherapie soll bald auch in der Orthopädie und Unfallchirurgie Einzug halten. Es gebe eine Vielzahl von potenziellen Einsatzgebieten bei Erkrankungen und Verletzungen von Knochen und Gelenken, berichten Fachärzte der Universitätskliniken Würzburg und München. Eine entscheidende Rolle könnten Stammzellen etwa bei der Therapie von Sehnen- und Bandverletzungen oder auch bei der Heilung von Meniskus und Bandscheibengewebe spielen.

HB MÜNCHEN. Stammzellen sind Körperzellen, die noch nicht ausdifferenziert sind. Das heißt, sie liegen noch nicht in einer Form vor, die sie für ihre Verwendung im Organismus spezialisiert (zum Beispiel als Hautzelle oder Leberzelle) – ihre Verwendung ist noch offen. Im Labor ließen sie sich solche Zellen „relativ einfach vermehren und zu Knorpel- und Knochenzellen ausreifen“, erläutert der Mediziner Matthias Schieker, der an der Universität München das Labor für experimentelle Chirurgie und regenerative Medizin leitet.

Der nächste Schritt bestehe dann darin, die Zellen zu einem festen Konstrukt zu formen, das den hohen Belastungen des Skeletts standhalte. Dazu werden die Zellen laut Schieker nicht in normalen Kulturen, sondern auf speziellen Schienen vermehrt, die dann zusammen als Knochenersatz etwa nach schweren Verkehrsunfällen eingesetzt werden könnten. Im Laufe der Zeit werde die Schiene dann resorbiert und allmählich durch einen festen Knochen ersetzt.

Erste klinische Erfahrungen konnten nach Angaben des Würzburger Orthopäden Ulrich Nöth bereits gesammelt werden. So seien körpereigene Stammzellen auf Träger aus einem im Knochen vorkommenden Mineral aufgebracht und dann Patienten eingesetzt worden. Größere Defekte ließen sich auf diese Weise aber nur sehr schwer überbrücken, da dem Zuchtknochen noch die Blutversorgung fehle. Laut Nöth prüfen die Wissenschaftler nun die Möglichkeit, gleichzeitig auch Vorläuferzellen für Blutgefäße zu vermehren.

Das wäre gerade in der Orthopädie ein viel versprechender Ansatz, da hier Durchblutungsstörungen im Knochen häufige Ursache von Krankheiten seien, erklärt der Experte. Ebenso wie Schieker hält er es für vorstellbar, dass die Stammzelltherapie schon in näherer Zukunft in der Orthopädie eingesetzt werden kann. Neben Knochen und Knorpel könnten dann auch Sehnen-, Menisken- und Bandscheibengewebe auf diese Weise ersetzt werden.

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