Pest Wer brachte den Schwarzen Tod?

Wie sich die Pest im Mittelalter durch Europa verbreitete, ist nach wie vor umstritten. Ratten und ihre Flöhe gelten als Hauptverdächtige. Doch neue Untersuchungen rücken jetzt andere Gefährder ins Blickfeld.
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Das Pestbakterium Yersinia pestis überlebte jahrhundertelang in Europa. Quelle: dpa
Pestbakterium

Das Pestbakterium Yersinia pestis überlebte jahrhundertelang in Europa.

(Foto: dpa)

HeidelbergDie Pestepidemien des Mittelalters und der Frühen Neuzeit verwüsteten ganze Landstriche; dem Schwarzen Tod etwa fiel zwischen 1346 und 1353 rund ein Drittel der Bevölkerung Europas zum Opfer. Was die Krankheit auslöste, ist inzwischen sehr genau bekannt: das Bakterium Yersinia pestis. Unklar ist allerdings immer noch, wie es von Mensch zu Mensch übertragen wurde.

Mit Hilfe von Modellrechnungen argumentieren nun Forscher um Boris Schmid von der Universität Oslo dafür, dass die entscheidenden Überträger nicht, wie lange geglaubt, Ratten und die sie besiedelnden Rattenflöhe waren. Stattdessen ließen sich Tempo und Ausmaß historisch gut dokumentierter Epidemien nur mit einer Übertragung durch Menschenflöhe und -läuse erklären – jene Parasiten also, die in früheren Zeiten allgegenwärtig waren.

Vermutlich sprang demnach das Bakterium vor dem eigentlichen Beginn des Ausbruchs irgendwann und irgendwo von einem Nagetier auf Mensch und Parasit über. Von da an verbreitete es sich aber ohne Zutun der Nagetiere.

Zehn Krankheiten, die nicht auszurotten sind
Malaria
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Forscher warnen, dass der Klimawandel Einfluss auf die Verbreitung von Malaria haben könnte. Durch die Erderwärmung vermehren sich die als Malariaüberträger bekannten Mücken stärker als früher.

Pferdemetzger
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Die klassische Lebensmittelvergiftung, der sogenannte Botulismus, wird meist durch verdorbenes Fleisch und nicht fachgerecht eingekochtes Gemüse hervorgerufen. Botulismus ist nicht ansteckend und zeigt sich meist durch Sehstörungen sowie Probleme beim Sprechen und Schlucken. In schweren Fällen lähmt der Erreger Clostridium botulinum die inneren Organe, Erbrechen und Durchfall stellen sich ein. Betroffene sterben ohne Behandlung meist an Ersticken.

Bergmann der Zeche Lohberg/Osterfeld
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Eine zu Zeiten des Kohleabbaus im Ruhrgebiet weit verbreitete Krankheit ist die Staublunge. Trotz spezieller Filter und Schutzmasken, die die Lungen der Bergarbeiter schützen sollen, gibt es immer noch Krankheits- und Todesfälle durch die hohe Feinstaubbelastung. Jüngere Bergarbeiter sollen laut National Public Radio stärker betroffen sein, da die Krankheit bei ihnen schneller voranschreitet.

10.000 Menschen sterben täglich durch verschmutztes Wasser
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Die Durchfallerkrankung Cholera fordert jedes Jahr unzählige Todesopfer. Schuld ist verunreinigtes Wasser, deshalb verbreitet sich die Krankheit vor allem in den Armenvierteln dieser Welt. Das Erdbeben von Haiti rief vor vier Jahren eine große Cholera-Epidemie hervor. Seitdem sind laut Statistiken rund 8400 Menschen an Cholera gestorben.

Befund von Tuberkulose
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Trotz Impfmöglichkeiten und Antibiotika konnte die Tuberkulose bisher nicht besiegt werden. Ein Grund ist eine resistente Mutation des Erregers, die sich seit den Achtzigern verbreitet hat. Die Krankheit befällt meist die Atemwege, allerdings ist auch ein Befall des Nervensystems und der Organe möglich. Tuberkulose ist nach Aids der zweitgefährlichste Erreger, laut WHO starben 2010 1,4 Millionen Menschen an der Krankheit.

Schluckimpfung
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Polio war bereits einmal beinahe ausgerottet – ein Mangel an Impfungen führte seit der Jahrtausendwende allerdings zu zahlreichen Neuerkrankungen. Vor allem in Afrika ist die Krankheit wieder auf dem Vormarsch, die WHO will mithilfe von Impfprogrammen dagegen vorgehen. Da sich der Erreger seit jeher kaum verändert hat, ist eine Ausrottung der Krankheit mittelfristig nicht unwahrscheinlich, die nötige Schluckimpfung ist kostengünstig und einfach umzusetzen.

Penicillin gegen Syphilis
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Syphilis ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die aktuell vor allem in Deutschland und Australien verbreitet ist. 2013 meldete das Robert-Koch-Institut 5017 Neuerkrankungen, das sind 600 mehr als im Jahr 2012. Syphilis ist durch die Gabe von Penicillin heilbar. Der deutsche Medizin-Wissenschaftler und Nobelpreisträger, Paul Ehrlich, (Foto) hatte das erste Mittel gegen die Volkskrankheit entwickelt.

Schmid und sein Team betrachteten für ihre Studie im Fachmagazin PNAS tägliche oder wöchentliche Todesraten bei neun historischen Ausbrüchen, von Givry in Frankreich im Jahr 1348 bis Malta im Jahr 1813. Bei den sieben größten davon passte der Verlauf deutlich besser zum Menschenparasiten-Szenario als zum alternativen Nagetierparasiten-Szenario. Die beiden verbleibenden waren in ihrem Ausmaß zu klein, als dass sich ein eindeutiger Unterschied bei den Rechnungen gezeigt hätte.

Schon früher hatten Forscher Zweifel an der These geäußert, dass die Rattenflöhe (Xenopsylla cheopis) hinter der Verbreitung des Erregers stecken. Die klimatischen Bedingungen jener Zeit müssten eigentlich ein Gedeihen von Ratte und Parasit in vielen betroffenen Landstrichen verhindert haben.

Bei modernen Epidemien – die freilich viel besser untersucht sind – spielen Menschenfloh (Pulex irritans) und Laus (Pediculus humanus humanus) jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen sind hier tatsächlich oft die Ratte und ihr Floh das tödliche Gespann.

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