Pharmafirmen verfolgen unterschiedliche Strategien
Neue Wirkstoffe stoppen Darmkrebs

Zielgerichtete Wirkstoffe haben die Therapie von Darmkrebs entscheidend verbessert. Die zweite Generation der neuen Medikamente ist bereits in Entwicklung. Mediziner hoffen, dass ihr dauerhafter Einsatz Krebs in Zukunft von einer tödlichen Bedrohung zu einer kontrollierbar chronischen Erkrankung werden lässt.

BERLIN. Darmkrebs ist die häufigste Krebsart im Bauchraum und der zweithäufigste Krebs überhaupt. Neue Chemotherapeutika haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten erhebliche Fortschritte in der Therapie ermöglicht. Seit zwei Jahren stehen den Ärzten zusätzlich Antikörper-basierte Medikamente zur Verfügung, die das Tumorwachstum bremsen und die Chemotherapie effizienter machen. NeueAvastin von Roche hindert den Tumor daran, neue Blutgefäße zu bilden, indem es den Botenstoff VEGF blockiert. Erbitux von Merck bindet an die Andockstelle für den Wachstumsfaktor EGF, der den Zellen das Signal übermittelt, dass sie sich vermehren sollen. Durch eine Blockade dieser Andockstellen kann EGF seinen Befehl zum Wachstum nicht mehr weitergeben.

Nach demselben Prinzip wirkt Panitumumab von Amgen. Anders als Erbitux, dessen Bauplan von einem Maus-Antikörper stammt, ist Panitumumab ein so genannter humanisierter Antikörper, der dem menschlichen Vorbild angeglichen wurde. Das soll gelegentlich auftretende allergische Reaktionen verhindern. In den USA wurde das Medikament nun zur Behandlung von Darmkrebs zugelassen, die Entscheidung der europäischen Arzneimittelbehörde Emea steht noch aus. Merck hat mit Matuzumab ebenfalls einen humanisierten Nachfolger für Erbitux in der Pipeline.

Fortschritte in der Krebstherapie erwarten sich Experten auch von den so genannten Multi-Kinase-Hemmern. Dabei handelt es sich nicht um Proteine sondern um kleine Moleküle, die den Energiestoffwechsel der Zellen stören, indem sie an dieselben Stellen binden wie der zelluläre Energieträger ATP. Bereits für einige Krebsarten zugelassen sind die Medikamente Sutent von Pfizer und Nexavar von Bayer. Beide Wirkstoffe werden derzeit auch für die Behandlung von Darmkrebs geprüft.

„Noch wirksamer könnte die Therapie durch die Kombination verschiedener zielgerichteter Medikamente werden“, hofft der Tumorexperte Thomas Seufferlein von der Uniklinik Ulm. Klinische Studien dazu zu organisieren sei allerdings schwierig, weil die Pharmafirmen den direkten Vergleich ihrer zielgerichteten Krebsmittel mit denjenigen der Konkurrenz scheuen. Für noch aussichtsreicher hält Seufferlein jedoch die so genannte intermittierende Krebstherapie, bei der Antikörper mit anderen Wirkstoffen je nach Krankheitsverlauf und mit Unterbrechungen über längere Zeiträume verabreicht werden. Derzeit werden solche Anwendungsformen in ersten Studien geprüft. „So könnte Krebs in Zukunft zu einer kontrollierbaren chronischen Erkrankung werden“, zeigt sich der Mediziner überzeugt.

Seite 1:

Neue Wirkstoffe stoppen Darmkrebs

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%