Pharmaunternehmen entwickeln Antidepressiva
Neue Wirkstoffe gegen Depressionen

Die Behandlung von Depressionen ist schwierig. Neben einer Psychotherapie setzen Ärzte auf Medikamente. Herkömmliche Antidepressiva können jedoch zahlreiche Nebenwirkungen haben. Zwei Pharmaunternehmen haben jetzt – unabhängig voneinander – neue Ansätze für die medikamentöse Behandlung vorgestellt.

DÜSSELDORF. „Angst kriecht den Rücken hoch, ich kann mich nicht mehr für irgendetwas entscheiden, kann mich schwer konzentrieren, habe Schlafstörungen, bin appetitlos, nichts macht mir mehr Freude, ja ich bin unfähig, Kleinigkeiten zu erledigen und kann mich schließlich nicht mehr selber versorgen.“ Mit diesen Worten beschreibt eine 67-Jährige ihre Depression. Sie ist nicht allein: Rund zehn Prozent der Bundesbürger erkranken mindestens einmal in ihrem Leben an einer schweren depressiven Episode. Depression ist eine Volkskrankheit.

Die Ursache für diese Erkrankung liegt trotz aller Forschungen noch immer im Dunkeln. Zwei Pharmaunternehmen haben jetzt allerdings – unabhängig voneinander – neue Ansätze für die medikamentöse Behandlung vorgestellt.

Die herkömmlichen Antidepressiva erhöhen die Menge der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin – das sind chemische Botenstoffe, die Nervensignale weiterleiten – im Gehirn. Denn bislang wurde vermutet, dass die Menge dieser Botenstoffe bei depressiven Menschen im Vergleich zu Gesunden verringert ist. Die Medikamente werden jedoch mitunter von heftigen Nebenwirkungen begleitet und können im Fall ihres Absetzens unangenehme Symptome wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Angstgefühle auslösen.

Da dies nicht sehr zufrieden stellend ist, verfolgt das Pharmaunternehmen Organon nun einen gänzlich neuen Forschungsansatz. Dabei wird in den so genannten Stresshormonhaushalt eines Menschen eingegriffen. Denn Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich depressive Menschen in einer Art Dauerstress befinden. Messbar ist dies durch den erhöhten Cortisolspiegel. „Die Patienten wirken immer unheimlich gestresst“, beschreibt dies Rolf Hömke vom Verband forschender Arzneimittelhersteller. Obwohl sie noch gar nicht besonders gefordert worden seien.

Der neue Wirkstoff von Organon ist ein so genannter Glucocortikoid-Rezeptor-Blocker, das heißt er blockiert die Rezeptoren des Cortisols und unterbricht damit den Teufelskreis des Hypercortisolismus, der bei einer Depression besteht. Der Wirkstoff befinde sich derzeit in der klinischen Phase II, sagt Pressesprecherin Marité Ode. Mit einer Markteinführung sei erst nach Abschluss der üblichen Studien in einigen Jahren zu rechnen.

Ulrich Hegerl, Professor an der Psychiatrischen Klinik der Universität München, warnt allerdings vor zu hohen Erwartungen. Es sei schwer zu sagen, ob der neue Ansatz tatsächlich funktioniere, meint er. Man müsse abwarten, es seien noch einige große Hürden zu nehmen.

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