Protonentherapie
Präzise Werkzeuge gegen Tumore

Hans Rinecker gehört zu den Pionieren der Krebsforschung. Sein Proton Therapy Zentrum in München ist das Deuschlands erstes kommerzielles Protonentherapiezentrum. Weltweit entstehen Zentren nach seinem Vorbild. Trotzdem verstummen die Kritiker seiner Methode nicht. Nun sollen neue Studien die Wirksamkeit der Therapie überprüfen.
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BERLIN. Hans Rinecker hat es geschafft. Zehn Jahre hat er für das erste kommerzielle Protonentherapiezentrum in Deutschland gekämpft, finanzielle Engpässe, Bankenpleiten und Gerichtsprozesse durchgestanden. Nun ist die 150 Mio. Euro teure Bestrahlungsklinik in München in Betrieb gegangen. Seit März werden hier Krebspatienten mit Protonen bestrahlt. Die Ärzte erhoffen sich von dem neuen Verfahren eine schonendere Krebstherapie mit besseren Heilungschancen.

Protonen sind Wasserstoffatome, die ihr Elektron abgestreift haben. Um die winzigen Teilchen zur Waffe gegen Krebs zu machen, bringt sie ein Teilchenbeschleuniger auf etwa halbe Lichtgeschwindigkeit. Tonnenschwere Spezialgeräte modulieren ihre Geschwindigkeit und lenken sie mit Magnetkraft präzise auf den Tumor. Die Protonen dringen tief in den Körper ein und entfalten erst auf den letzten Millimetern ihre zerstörerische Wirkung. Dadurch kann man mit Protonenstrahlen dreidimensional zielen, der Tumor lässt sich Pixel für Pixel bestrahlen.

Anders bei Röntgenstrahlung: Diese bremst bereits knapp unter der Haut stark ab und verliert dann stetig an Energie. Bei tiefer gelegenen Tumoren landet mitunter ein großer Teil der Strahlendosis im gesunden Gewebe. Bei der Protonentherapie ist dieser Anteil wesentlich geringer. Mediziner erhoffen sich weniger Nebenwirkungen. „Das Verfahren wird die Heilungschancen erheblich erhöhen“, sagt Rinecker. Die Nachfrage sei riesig: „Seit Eröffnung haben zweitausend Patienten angerufen, wir können nur einen Bruchteil behandeln.“ Er plant bereits ein weiteres Zentrum in Köln.

Auch deutsche Universitäten investieren in die Technologie. Im November eröffnet die Uniklinik Essen das Westdeutsche Protonentherapiezentrum. Investitionsvolumen: 115 Mio. Euro. Ende des Jahres will dann die Uniklinik Heidelberg erste Patienten mit Schwerionen behandeln. Statt Protonen verwenden die Mediziner hier Kohlenstoffionen. Sie erhoffen sich von den schwereren Teilchen mehr Präzision und eine höhere Wirksamkeit. Die Kosten für das Zentrum liegen ähnlich hoch wie in Essen. In Marburg entsteht zudem eine kombinierte Protonen- und Schwerionenanlage, in Kiel ein weiteres Protonentherapiezentrum. Auch in Berlin und Dresden sind ähnliche Einrichtungen angedacht.

Weltweit sind über 20 Zentren für Partikeltherapie im Bau oder in der Planung. Die bestehenden Kapazitäten könnten sich in damit fast verdoppeln. Marktführer ist IBA aus Belgien. Auch deutsche Unternehmen profitieren von dem Milliardengeschäft: Siemens ist Spezialist für Schwerionenanlagen, Accel aus Bergisch Gladbach – 2007 von der US-Firma Varian Medical übernommen – baut Protonentherapieanlagen.

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