Psychologierückblick 2010
Hirnschmalz und Zwischenmenschelndes

Strom gegen Matheschwäche, mit Stöckchen spielende Schimpansenmädchen und ein erfolgreiches Retina-Implantat für Blinde - Psychologie und Hirnforschung zeigten in diesem Jahr viele ihrer spannenden Fassetten. Und auch etliches Kurioses: Warum Gläubige religiös sind, dominante Chefs dem Unternehmen schaden und in E-Mails oft gelogen wird, fanden die Forscher ebenfalls heraus.
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HEIDELBERG. Wie lautete die größte Schlagzeile des Jahres 2010 in den Disziplinen Psychologie und Hirnforschung? Es gab keine. Oder zumindest keine à la Neandertalergenom, Arsen-Bakterien, Schneewalze oder Eyjafjallajökull. Dafür purzelten viele neue Forschungsergebnisse aus verschiedensten Gebieten an die Öffentlichkeit - jedes für sich vielleicht nicht bahnbrechend, aber auf jeden Fall berichtenswert.

So eroberten Stöckchen noch kurz vor Weihnachten die Medien - weil Schimpansenmädchen sie umsorgten wie ein Junges. Die weibliche Mutterrolle werde also trainiert, zumal gerade junge Weibchen kurz vor der Geburt ihres ersten Nachwuchses zu diesem Verhalten neigten. Da fühlte sich sicher so mancher bestätigt, Mädchen lieber mit Puppen als mit Baggern zu beschenken.

Dabei hatten unsere nächsten Verwandten schon im April ihre menschliche Seite gezeigt, als Wissenschaftler berichteten, die Menschenaffen trauerten tagelang um ein an Altersschwäche gestorbenes Gruppenmitglied. Ob das Verhalten der Tiere allerdings wirklich als Trauer oder eher als Verunsicherung und Angst zu interpretieren ist, muss mangels Vergleichsmöglichkeiten offenbleiben. Und so äußerte sich eine andere Forschergruppe, die das Verhalten von zwei Schimpansenmüttern nach dem Tod der jeweiligen Kinder protokollierte, auch deutlich vorsichtiger.

Eine klare Aussage hingegen treffen Bonobos, wenn sie den Kopf schütteln: "Nein" heißt diese Botschaft auch bei ihnen. Und gibt es Verständnisschwierigkeiten des Gegenübers, verlegen sich Orang-Utans auf übertriebene Gestik: Pantomimisch unterstreichen sie ihr Begehr, bis beim anderen der Groschen fällt.

Kleine Welt

Keine Verständnisprobleme haben Kleinkinder, selbst wenn sie eine offenkundig sinnlose Aktion nachahmen. Entgegen einer häufigen Interpretation haben sie sehr wohl verstanden, dass die unnötige Handlungsschleife gar nicht zum Ziel führt. Sie halten sie aber für einen Bestandteil der Aktion, erklärten Ben Kenward von der Universität Uppsala und seine Kollegen im Oktober. Und deshalb werde sie einfach kopiert.

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