Rheumatiker
Zeitzünder-Pille lindert Rheumabeschwerden

Der Entzündungsverlauf bei Arthritis verläuft stets gleich: Nachts setzt der Körper Entzündungsstoffe frei, morgens - wenn üblicherweise die Medikamente eingenommen werden - schmerzen die Gelenke. Nun können Rheumatiker aufatmen: Ein neues Medikament setzt seinen Wirkstoff erst frei, wenn der Entzündungsschub einsetzt.

BERLIN. Wenn der Start in den Tag gelingen soll, ist das Timing für Patienten mit rheumatoider Arthritis entscheidend. Nehmen sie ihr linderndes Kortison-Präparat zu spät, schmerzen die geschwollenen Gelenke und sind oft stundenlang steif. Betroffen sind vor allem die Hände, die sich noch nicht mal mehr zu einer Faust ballen lassen. Selbst einfache Handgriffe werden zur Tortur.

Forscher an der Berliner Charité um den Rheumatologen Frank Buttgereit haben nun einen Weg gefunden, wie man die Morgensteifigkeit in den Griff bekommt. Entscheidend ist der Zeitpunkt, zu dem das Medikament zu wirken beginnt. "Der Entzündungsverlauf bei einer rheumatoiden Arthritis folgt einem immer gleichen Rhythmus", erklärt der stellvertretende Klinikdirektor Buttgereit. Der Körper setzte die Entzündungsstoffe nachts verstärkt frei, was zur morgendlichen Gelenksteifigkeit führe. "Wenn Patienten ihr Medikament erst morgens nehmen, sind sie spät dran - ideal wäre, es nachts um zwei Uhr zu tun", so der Mediziner.

Weil das für den Tiefschlaf kaum förderlich ist, hat Buttgereit zusammen mit den Pharmafirmen Merck und Nitec Pharma eine Tablette entwickelt, die zeitverzögert den Wirkstoff Prednison freisetzt. Eingenommen wird sie abends um 22 Uhr, ihre Wirkung entfaltet sie aber erst vier Stunden später. Der Trick: "Die spezielle Hülle saugt sich im Magen-Darm-Trakt nach und nach mit Wasser voll, bis sie platzt, so dass der Wirkstoff schlagartig freigesetzt wird", erklärt Buttgereit. Das plötzliche Freisetzen ist entscheidend, da das Prednison bei langsamem Austreten nicht so wirkungsvoll wäre.

Die Dauer der Morgensteifigkeit konnte bei den so behandelten Patienten um ein Viertel verkürzt werden. In einer groß angelegten Studie wurde das neue Präparat an 144 Patienten erprobt, die es abends verabreicht bekamen. Eine Kontrollgruppe mit weiteren 144 Rheumatikern wurde wie üblich morgens mit dem Standardmedikament versorgt. Das neue Medikament schlug besser an, weil es bereits wirkte, als der so genannte Entzündungsbotenstoff Interleukin-6 begann, sich im Körper auszubreiten.

Dieser frühe Zeitpunkt hat auf den weiteren Verlauf des Tages übrigens keinen Einfluss: Symptome wie Schmerzen oder Steifigkeiten kehrten nicht eher wieder. Auch sonst haben sich im Vergleich zur Standard-Medikation keine neuen Nebenwirkungen gezeigt. Buttgereit: "Es können die gleichen Begleiterscheinungen wie bei üblichen Kortisonpräparaten auftreten." Etwa Gewichtszunahme, Osteoporose oder Hautveränderungen.

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