Rückprogrammierung von Körperzellen
Forscher vereinfachen Stammzell-Gewinnung

Deutsche Wissenschaftler haben die Technik zur Rückprogrammierung von Körper- zu Stammzellen deutlich vereinfacht. Das Verfahren gilt als hoffnungsvolle Alternative zur ethisch umstrittenen Gewinnung von Stammzellen aus zerstörten Embryonen.

HB LONDON/MÜNSTER/ACHEN. Embryonale Stammzellen gelten als Hoffnungsträger im Kampf gegen bis heute unheilbare Erkrankungen wie Diabetes, ihre Erforschung ist jedoch umstritten wegen der mit der Gewinnung verbundenen Zerstörung von frühen menschlichen Embryonen. Ein Alternative könnte die Rückprogrammierung von Körper- zu Stammzellen sein - ein Verfahren, das deutsche Forscher jetzt deutlich vereinfacht haben. Den Wissenschaftlern aus Münster und Aachen gelang im Tierversuch die Rückprogrammierung unter Einschleusung von nur zwei statt bislang vier Genen. Dabei konnten die Forscher auf ein Gen verzichten, das in anderen Experimenten Krebs ausgelöst hatte.

Verschiedene Arten von Körperzellen konnten in der Vergangenheit bereits durch das gemeinsame Einschleusen von vier Genen zu so genannten „induzierten pluripotenten Stammzellen“ (iPS-Zellen) zurückprogrammiert werden. Die Wissenschaftler um Hans Schöler vom Max-Planck-Institut für Molekulare Biomedizin in Münster und Martin Zenke von der Universität Aachen experimentierten nun mit neuralen Stammzellen aus dem Hirn von Mäusen. Diese ließen sich, wie bisher bekannt, mit der Kombination aller vier Gene zu iPS-Zellen machen. Aber auch bei drei verschiedenen Kombinationen von jeweils drei dieser Gene zeigte sich dieser Erfolg, heißt es in der Veröffentlichung der Gruppe im Magazin „Nature“. Damit nicht genug, in weiteren Experimenten funktionierten auch zwei Zwei-Gen-Kombinationen. Auch die so geschaffenen iPS-Zellen ähneln embryonalen Stammzellen bis auf die molekulare Ebene.

Ein damit verbundener Fortschritt ist der mögliche Verzicht auf das Gen c-Myc, das in anderen Experimenten Tumore entstehen ließ. Dieses Ergebnis ihrer Studie heben die Autoren auch besonders hervor. Der Verzicht auf diese Erbanlage bringt die Forscher bei der Herstellung von zur Transplantation geeigneten iPS-Zellen einen Schritt weiter. „Dass wir jetzt nur noch zwei Faktoren brauchen, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, betonte Schöler in einer Erklärung seines Instituts.

Die Nutzung neuraler Stammzellen für spätere Therapien sei zwar unwahrscheinlich, ergänzte er. Diese Zellen kämen vorwiegend im Gehirn vor. Sie lassen sich daher schlecht beim Menschen isolieren. „Dank der neuen Erkenntnisse können wir jetzt aber gezielter nach Zelltypen im Körper suchen, die sich ähnlich gut eignen, aber leichter zugänglich sind.“

Zudem sei es mit Hilfe neuraler Stammzellen deutlich leichter, nach chemischen Wirkstoffen zu suchen, die statt der bislang eingeschleusten Gene verwendet werden können, um die Reprogrammierung anzuschieben. Anders als beim Einschleusen von Genen lässt sich die Dauer und Stärke der Wirkung solcher kleinen Moleküle viel genauer steuern, erklären die Forscher.

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