Saisonal Abhängige Depression
Wenn der Herbst auf die Stimmung schlägt

Die Tage werden kürzer, das Wetter ist oft grau und trüb. Wenn die dunkle Jahreszeit Einzug hält, schlägt das bei vielen Menschen aufs Gemüt. Doch es gibt Wege, wie man den "Winterblues" erfolgreich bekämpfen kann.
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DÜSSELDORF. Rund 400 000 Menschen leiden Schätzungen zufolge jährlich unter Winterdepressionen. Sie fühlen sich unausgeglichen, grundlos traurig und kommen morgens kaum aus dem Bett. Dennoch ist der saisonale Seelenblues bei Nebel und Nieselregen laut Medizinern kein Grund, sich die Decke über den Kopf zu ziehen oder gleich zur Chemiekeule zu greifen.

Ausgelöst wird die sogenannte "Saisonal Abhängige Depression" (SAD) vor allem durch den Lichtmangel in der trüben Jahreszeit. Ohne Licht fährt der Körper die Produktion des "Glückshormons" Serotonin herunter. Dafür steigt in der Dunkelheit der Melatonin-Spiegel, der normalerweise in der Nacht den Schlaf steuert und uns daher müde und schlapp macht, wie der Facharzt für Psychotherapie und Professor an der Universität Leipzig, Hubertus Himmerich, erklärt.

Erwischt einen der saisonale Blues, fühlen sich die Betroffenen nicht nur unausgeglichen und es fällt ihnen schwer, sich zu konzentrieren. Oft plagt die Winterdepressiven auch ein Heißhunger auf Süßes und fettige Speisen. Das Haus verlassen viele nur noch selten, sie vernachlässigen den Kontakt zu Freunden und Familie. Einer Forsa-Umfrage der Techniker Krankenkasse zufolge geben sechs von zehn Betroffenen an, dass sie bei trübem Wetter nur rausgehen, wenn es unbedingt sein muss. Jeder Zweite setzt sich vor den Fernseher oder Computer, um sich von seinem Seelenblues abzulenken.

"Doch genau das ist falsch", sagt Himmerich. Denn wenn das Stimmungstief zuschlägt, gibt es vor allem ein Gegenmittel: Raus ans Tageslicht, um die Produktion von Serotonin im Gehirn anzuregen. Wer täglich ein bis zwei Stunden an der frischen Luft spazieren gehe, könne seinen Seelenblues bereits wirksam angehen, erklärt auch Professor Ulrich Voderholzer, der die Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg leitet.

Denn selbst an einem trüben Novembertag liege die Beleuchtungsstärke noch bei mindestens 1 000 Lux und damit deutlich über der in geschlossenen Räumen. Künstliche Lichtquellen schaffen laut Voderholzer maximal 300 bis 500 Lux. Wer sich bewegt, vor allem joggt oder Fahrrad fährt, sorgt zusätzlich für eine vermehrte Ausschüttung stimmungsaufhellender Hormone.

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