Schmerztherapie
Schmerzstopp auf Knopfdruck

Mit einer neuen Medikamentenpumpe, die wie ein Pflaster auf die Haut geklebt wird, können Patienten die Wirkstoffdosis selbst bestimmen - nur ein Beispiel für die vielen ungewöhnlichen Wege, die Mediziner bei der Bekämpfung von Schmerzen heute gehen.

BERLIN. An deutschen Krankenhäusern wird zu viel gelitten. Etwa jeder zweite Patient ist mit der Schmerztherapie nach seiner Operation unzufrieden. Experten machen vor allem organisatorische Unzulänglichkeiten dafür verantwortlich. Lange Kommunikationswege und eine häufig übervorsichtige Dosierung verhindern demnach die zeitnahe Erlösung des Patienten von seinen Schmerzen. Verbessern könnte die Schmerztherapie eine miniaturisierte Schmerzmittelpumpe, die der Arzneimittelhersteller Janssen-Cilag nun auf den Markt gebracht hat. Sie wird wie ein Pflaster auf die Haut geklebt. Das Besondere: Der Patient kann sich durch einen Knopfdruck das enthaltene Schmerzmittel selbst verabreichen.

Die Pumpe ist etwa so groß wie eine Scheckkarte. Sie ist mit Fentanyl befüllt, einem Schmerzmittel, das rund hundertmal stärker ist als Morphium. Damit die Pumpe nicht unfreiwillig ausgelöst werden kann, muss der Patient zu ihrer Aktivierung zweimal hintereinander einen Knopf drücken. Ein nicht spürbarer elektrischer Strom bringt dann eine definierte Dosis des Schmerzmittels in die Haut, von wo das Medikament schnell in den Blutkreislauf gelangt. Nach einer Pause von zehn Minuten lässt sich das Gerät erneut aktivieren. Durch die Gabe vieler kleiner Einzeldosen kann sich Patient selber an die nötige Dosis herantasten, die zur Linderung seiner Schmerzen nötig ist.

So könnten nach Meinung der Experten künftig die Wartezeiten vermieden werden, die entstehen, wenn der Patient die Pflegekraft um ein Medikament gegen die Schmerzen bittet, diese aber erst mit dem Arzt Rücksprache halten muss. "Dabei kann locker eine halbe Stunde vergehen", sagt Stefan Grond, Chefarzt der Anästhesie am Klinikum Detmold-Lippe. Häufig dauert es eine weitere halbe Stunde, bis das Medikament wirkt.

Die unzureichende Versorgung mit Schmerzmitteln bringt neben unnötigem Leid nach Meinung der Mediziner auch handfeste Risiken mit sich. "Die Folge können chronische Schmerzen sein", nennt Grond ein Beispiel. Auch als Ursache von Komplikationen wie Lungenentzündungen oder Wundheilungsstörungen werden die Schmerzen nach der OP diskutiert. Ein Patient, der unter Schmerzen leide, sei zudem schwerer zum Aufstehen und zu krankengymnastischen Übungen zu bewegen, sagt Grond. Das verzögere unter Umständen die Genesung, was letztendlich zu zusätzlichen Kosten für den Krankenhausaufenthalt führt.

Vor allem nach großen, schmerzhaften Eingriffen setzen die Mediziner deshalb auf das Prinzip der so genannten Patienten-kontrollierten Analgesie, bei der der Patient sich das Schmerzmittel je nach Bedarf selber zuführen kann. Bislang stehen dafür spezielle Schmerzmittelpumpen zur Verfügung, die neben das Bett gestellt werden und dem Patienten auf Knopfdruck eine vorprogrammierte Dosis Schmerzmittel verabreichen. "Infusionsnadeln, Schläuche und Kabel sind aber unbequem für den Patienten und schränken ihn in seiner Beweglichkeit ein", sagt Grond. Zudem seien die komplexen Geräte teuer in der Anschaffung, Programmierfehler nicht ganz auszuschließen.

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