Schönheitsoperationen: Investition in die eigene Bio-Aktie

Schönheitsoperationen
Investition in die eigene Bio-Aktie

Schönheitsoperationen sind inzwischen zum Massenphänomen geworden. Allein in Deutschland legten sich im vergangenen Jahr rund 750 000 Menschen für die Schönheit unters Messer. Die Chirurgen bedienen die Eitelkeit ihrer Patienten und den Wunsch nach sozialem Aufstieg. Psychologen und Sozialwissenschaftler warnen vor übertriebenen Erwartungen.
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DÜSSELDORF. Schönheit ist nicht mehr besonders teuer. Ob Halbglatze, Hängebacken oder-busen, Höcker- oder Papageiennase, Aprikosenhaut, Tränensäcke, Truthahnhals oder Schlabberkinn - Korrekturen am Leib sind bereits ab 1 000 Euro aufwärts zu haben. Schönheitsoperationen sind zum Massenphänomen geworden. Der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) zufolge gibt es in Deutschland jährlich etwa 750 000 ästhetisch-chirurgische Eingriffe - Botox-Behandlungen und Falten-Unterspritzungen eingerechnet. Am liebsten lassen sich die Deutschen Nase und Brust operieren und Fett absaugen. Laut DGÄPC sind es vor allem 18- bis 30-Jährige, die sich unters Messer legen (34 Prozent), gefolgt von den 40- bis 50-Jährigen (23 Prozent).

Das überraschende Ergebnis vieler Studien ist aber nicht, dass die Zahl der Patienten steigt, sondern dass die Akzeptanz für Schönheitsoperationen immer größer wird - für die Soziologin Nina Degele äußert sich darin der gesellschaftliche Druck: "Schön machen wir uns vor allem, weil wir soziale Anerkennung brauchen", erklärt die Professorin an der Universität Freiburg im Sammelband "Schön normal" (2008). Wer also dem herrschenden Schönheitsideal entspricht, steigt auf, wer nicht, steigt ab. Die Schönheitsoperation wird zu einer Investition in die eigene Bio-Aktie. "Sich schön machen ist harte Arbeit, die bis hin zur Frage reicht: Wer bin ich, und wer will ich sein?", meint Degele.

Plastische Chirurgie gab es schon vor 2600 Jahren, als der indische Arzt Susruta Sarnita die Nasen verstümmelter Mitmenschen aus ihrer Stirnhaut rekonstruierte. Ende des 16. Jahrhunderts formte der Italiener Antonio Branca neue Nasen aus dem Gewebe des Oberarms. Doch erst seit den 1960er-Jahren verändern Ärzte Körperteile von unverletzten Menschen zur reinen Verschönerung.

Neben dem Bedürfnis nach sozialer Kompetenz sind Scham, Selbstzweifel und Narzissmus Gründe für die Manipulation am eigenen Körper. Und die demografische Entwicklung: Schönheit und anhaltende Jugend werden gerade in einer alternden Leistungsgesellschaft zu einem zentralen Wert. Mit dem Zustand des Körpers wird beruflicher und privater Erfolg verknüpft. "Der eigene Körper wird immer mehr zum Schauplatz des Lebenssinns", verkündet der Medienforscher Norbert Bolz.

Der Boom hat in Deutschland eine Armee von Medizinern hervorgebracht, die sich mit der Schönheit eine goldene Nase verdienen wollen. Die Ärztekammern warnen mittlerweile angesichts massenhafter Operationen vor einer Discounter-Mentalität des günstigen Angebots.

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