Stammzellenforschung
Zellen für die Pharmaforschung

Pharmafirmen können künftig viel früher die Wirksamkeit neuer Medikamente prüfen: Kölner Biotechniker züchten menschliche Herzzellen, an denen neue Wirkstoffe getestet werden können. Mit der jetzt in Betrieb genommenen Anlage können die Forscher pro Woche mehrere Milliarden Zellen herstellen.
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DÜSSELDORF. Pharmafirmen können künftig neue Medikament wesentlich früher auf ihre Wirkung testen. Das Kölner Biotech-Unternehmen Axiogenesis hat ein Verfahren entwickelt, mit dem menschliche Herzzellen, die aus Stammzellen gewonnen wurden, mit hoher Reinheit zu großen Mengen vermehrt werden können. Mit dem so gewonnenen Gewebe könnten Forscher bei der Suche nach neuen Wirkstoffen wesentlich genauere Tests durchführen und damit schneller zum Ziel kommen, erläutert Axiogenesis-Chef Heribert Bohlen den Vorteil der Innovation.

Bei den Ausgangszellen, die die Kölner Biotechniker vermehren, handelt es sich um sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen, die in der Biotechnologie als Wunderwaffe gelten, da sie in jeden beliebigen Zelltyp verwandelt werden können. Mediziner hoffen diese Zellen einmal als Ersatz für zerstörtes Gewebe nutzen zu können, etwa bei Patienten mit Alzheimer, der Parkinson-Krankheit oder Herzinfarkt. "Bis dies so weit ist, werden aber sicher noch bis zu zehn Jahre vergehen", schätzt Bohlen, der früher in Köln in der Onkologie und Transplantationsmedizin gearbeitet hat.

Der Axiogenesis-Chef hat aber nicht den Einsatz der Zellen in der Therapie im Blick. Er will seine Zellen als Testmaterial für die Erprobung neuer Wirkstofftherapien an die Pharmafirmen verkaufen. Bei der Testung von Medikamenten in der Herztherapie werden bislang Herzzellen von Mäusen verwendet. Diese seien den menschlichen sehr ähnlich, "besitzen aber andere Funktionen", sagt der Mediziner. Mit dem neuen Verfahren sei es erstmals auch möglich, menschliches Gewebe herzustellen, das aus einem einzigen Zelltyp besteht, so Bohlen.

"Axiogenesis hat geschickt bekannte Innovationen miteinander kombiniert und gewinnt so menschliche Zellen, die in der Pharmaforschung die Wirkstoffsuche erleichtern können", sagt Ira Herrmann, Geschäftsführerin des Kompetenznetzwerks Stammzellforschung in NRW. Das Gewebe aus den Zellen lebt und besitzt alle Funktionen des Herzens - es pulsiert und besitzt den gleichen Stoffwechsel. "Man kann damit sogar ein EKG machen", so Bohlen.

Das neue Zellmaterial mache es dem Pharmaherstellern leichter, ihre Medizin auf die jeweiligen Patienten zuzuschneiden. So könnten Wirkstoff für verschiedene ethnischen Gruppen hergestellt werden. Bislang werden Wirkstoffe vor allem an weißhäutigen Menschen getestet - später in der Therapie zeigt sich dann, dass Menschen in Afrika oder Asien Nebenwirkungen zeigen, die in den klinischen Tests nicht aufgetreten sind. "Das könne durch Tests mit den Zellen verschiedener Menschentypen verhindert werden" sagt Bohlen.

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