Strahlenschäden
Neue Hoffnung auf Arznei für Strahlenopfer

Für Menschen, die lebensgefährlichen Strahlendosen ausgesetzt waren, kommt meist jede Hilfe zu spät. Bei Mäusen hat eine Therapie gegen Strahlenschäden jetzt erstmals angeschlagen.
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HamburgDer Tod kommt in Etappen, nach Tagen oder wenigen Wochen. Körperzellen sterben, das Knochenmark wird zerstört. Erkrankte müssen erbrechen, ihnen ist schwindelig, sie sind schwach, vielleicht fiebrig. Innere Blutungen folgen, das Magen- und Darmgewebe bricht auf. Bakterien sorgen ungehindert für neue Krankheitsherde bis Organe versagen und der Mensch stirbt.

Mediziner sind hilflos. Wer hoher ionisierender Strahlung durch radioaktive Stoffe ausgesetzt gewesen ist, hat kaum eine Chance zu überleben.

„Die meisten Medikamente nutzen wenig gegen hohe Strahlung und müssen in kürzester Zeit verabreicht werden, um überhaupt einen positiven Effekt zu haben“, sagt Eva Guinan vom Dana-Farber Krebsinstitut im amerikanischen Boston.

Nicht allein der GAU im Atomkraftwerk Fukushima-1 an Japans Ostküste zeige, wie nötig aber Arzneien werden könnten: „Es gibt ein großes Interesse an der Behandlung von Strahlenschäden, egal ob sie nun durch einen Reaktorunfall, Terrorismus oder in geringerem Ausmaß durch einen fehlerhaften Computertomografen ausgelöst wurden.“

Gemeinsam mit ihrem Kollegen Ofer Levy, der am Bostoner Kinderklinkum arbeitet, sucht Guinan nach einer Therapie. Sie könnten fündig geworden sein. Mäuse haben sie bereits mit ihrem Ansatz erfolgreich behandelt, wie ihre Studie zeigt, die das Magazin Science Translational Medicine veröffentlicht hat.

Zunächst setzten die Forscher Mäuse einer Strahlung von sieben Gray aus, einer auch für Menschen meist tödlichen Dosis. Nach 30 Tagen überlebten nur 5 von 110 Mäusen. Anschließend verabreichten die Mediziner gleich stark bestrahlten Tieren neben einem Antibiotikum auch eine künstlich hergestellte Variante eines Proteins, mit dem auch das menschliche Immunsystem Infektionen bekämpft.

Rund 80 Prozent der Mäuse, die zweimal am Tag mit dem Antibiotika-Protein-Cocktail behandelt worden waren, überlebten die ersten 30 Tage. Siebzehn Tiere therapierten die Mediziner weiter. Die Tiere überlebten so lange, bis die Forscher die Therapie einstellten – einmal nach vier Monaten und einmal nach acht Monaten.

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