Studie
Bewegungsmangel ist tödlich wie Rauchen

Bewegungsmangel kann tödlich sein: Er verursacht nach Berechnungen von US-Forschern bis zu zehn Prozent der Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Brust- und Darmkrebs weltweit.
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London/ParisGut ein Drittel der Weltbevölkerung bewegt sich zu wenig und gefährdet die eigene Gesundheit damit genauso stark wie durch Rauchen oder Fettleibigkeit: Nach einer am Mittwoch in Großbritannien veröffentlichten Studie geht weltweit jeder zehnte erfasste Todesfall auf Bewegungsmangel zurück. Die Verfasser der Studie warnen vor der unterschätzten Gefahr.

Zu wenig körperliche Aktivität senke die Lebenserwartung in vergleichbarem Maße wie Rauchen und Fettleibigkeit, berichtet die Gruppe um I-Min Lee im britischen Fachjournal „Lancet“.

Die Wissenschaftler berechneten nach Ländern und Regionen, wie viele Krankheitsfälle im Jahr 2008 theoretisch vermeidbar gewesen wären, wenn sich die Menschen ausreichend bewegt hätten. Darunter verstehen die Forscher moderate Bewegung, etwa 15 bis 30 Minuten zügiges Gehen täglich. Angesichts der bevorstehenden Olympischen Spiele erklärte Lee in einer Mitteilung zur Studie, dass für die Gesundheit keine sportlichen Höchstleistungen nötig seien.

Den Schätzungen zufolge stehen weltweit sechs Prozent der Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung mit mangelnder Bewegung. Bei Brustkrebs führten die Wissenschaftler durchschnittlich sogar zehn Prozent der Fälle auf inaktive Lebensweisen zurück. Die Herz-Kreislauf-Erkrankungen halten die Forscher wegen der deutlich höheren Fallzahlen jedoch für besonders gefährlich: Demnach wären weltweit mehrere Hunderttausend Todesfälle vermeidbar.

Von einer „Pandemie“ schreiben Forscher der Universität Texas um Harold Kohl in Bezug auf den Bewegungsmangel. Sie sehen weltweit Handlungsbedarf. In Städteplanung, Transportwesen, Betrieben und Schulen seien neue Ansätze gefragt, um die Menschen in Bewegung zu halten. „Traditionelle Ansätze sehen das Gesundheitssystem in der Pflicht, einen Gesinnungswandel anzuregen. Aber das wird nicht ausreichen“, erklärte Kohl in einer Mitteilung zur Studie.

Der Experte Gregory Heath von der US-Universität von Tennessee wertete Kampagnen zwischen 2001 und 2011 aus, die Menschen zu mehr Bewegung animieren sollten. Am effektivsten waren demnach PR-Kampagnen und kleine Botschaften, wie zum Beispiel Empfehlungen, die Treppe anstatt den Lift zu nutzen. Ebenfalls wirksam sind laut Heath Wandervereine, der Ausbau von Fahrradwegen und Autofahrverbote in der Stadt.

Mit ihren neuen Zahlen untermauern die Wissenschaftler eine eigentlich altbekannte Gefahr. "Die Bedeutung des Bewegungsmangels wird weiterhin unterschätzt, obwohl es seit 60 Jahren handfeste Beweise für seine Auswirkungen auf die Gesundheit gibt", stellt Autor Harold W. Kohl von der Universität Texas fest. Bewegungsmangel sei "ein ernsthaftes Problem für die öffentliche Gesundheit". Die Wissenschaftler sehen eine wachsende Gefahr vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern, in denen sich die Lebensverhältnisse schnell ändern und die physische Aktivität der Menschen plötzlich stark zurückgeht.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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