Studie: Weniger Nebenwirkungen durch Verzicht auf Herz-Lungen-Maschine
Bypassoperation am schlagenden Herzen

Ärzte der Universitätsklinik und Poliklinik für Herz- und Thoraxchirurgie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg verzichten bei Bypass-Operationen bei älteren Menschen auf die Herz-Lungen-Maschine. Sie haben ihre Operationstechniken für die alten Menschen verfeinert und testen den Erfolg der Methode in einer mehrjährigen klinischen Studie.

hsn DÜSSELDORF. Das Zwischenergebnis der Studie, bei der Operationsergebnisse mit und ohne Einsatz der Herz- Lungen-Maschine verglichen werden, bestätigt nach Angaben der Mediziner, dass insbesondere Hochrisikopatienten von dieser so genannten Off-pump-Operation – der Operation ohne Herz-Lungen-Maschine – profitieren.

„Die Herz-Lungen-Maschine ist ein wichtiges und gutes Gerät für unsere Arbeit“, stellt Klinikleiter Rolf-Edgar Silber klar. Viele Operationen seien ohne diese Maschine nicht möglich. „Aber wir sind überzeugt, dass es oftmals nicht notwendig ist, das Herz still zu stellen. Im Gegenteil: Der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine bringt viele Nebenwirkungen und Risiken mit sich“, unterstreicht der Medizinprofessor.

Zahlreiche Operationen innerhalb der Herzkammern, an den Herzklappen und an den großen Gefäßen sind nur bei nichtschlagendem Herzen durchführbar. Für diese Eingriffe werden das Herz und die Lungen aus dem normalen Kreislauf ausgeschaltet und stillgelegt. Ihre Funktion übernimmt eine externe Herz-Lungen-Maschine. Das gesamte Blut des Patienten wird während der Operation durch diese Maschine gepumpt und das birgt viele Risikofaktoren. So muss das Blut verflüssigt werden, es gibt Oberflächenreaktionen mit dem Schlauchsystem, der Blutfluss folgt keinem Pulsschlag, sondern erfolgt gleichmäßig und die Körpertemperatur des Patienten sinkt in der Regel.

„Das operative Trauma bei so einem Eingriff ist groß“, sagt der stellvertretende Klinikleiter Ivar Friedrich. Ein jüngerer Patient habe damit keine Probleme, „aber gerade alte Menschen verkraften die vielen Nebenwirkungen nicht so leicht“, sagt Friedrich. In Halle werden besonders viele alte Patienten - das sind Patienten über 75 Jahre - am Herzen operiert. Im Jahr 2003 waren es 315, was genau einem Drittel der operierten Bypass-Patienten entsprach. Die Herzchirurgen haben sich besonders dieser Zielgruppe gewidmet und ihre Operationstechniken ständig verfeinert. Bei der Off-pump- Operation wird das Herz mechanisch stabilisiert. Hierbei bleibt die geometrische Form des Herzens erhalten, es kann weiter schlagen und seine Funktion als Blutpumpe erfüllen.

Kritiker der Methode wenden oft ein, dass die Bypass-Anlage am schlagenden Herzen nicht genauso exakt wie am stillgelegten Herzen erfolgen kann. „Sicherlich ist die Bypass-Anlage am schlagenden Herzen für den Operateur technisch anspruchsvoller“, räumt Klinikchef Silber ein. Es gebe jedoch zahlreiche Studien, die zeigen, dass das Operationsergebnis qualitativ nicht beeinflusst werden und dass sich Bypässe nach einer Off-pump-Operation nicht schneller verschließen, unterstreicht der Mediziner.

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