Tausende Behandlungsfehler
Wenn Medizin krank macht

Jeder zählt, doch wer hat den Überblick? Nach den Krankenkassen hat nun die Bundesärztekammer ihre Zahlen zu medizinischen Behandlungsfehlern vorgelegt. Für Patientenschützer gehen die Informationen nicht weit genug.
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BerlinFalsch operierte Knie, übersehene Vorerkrankungen, schlecht zusammenwachsende Brüche - Behandlungsfehler können jeden Patienten treffen. Die Bundesärztekammer hat am Montag in Berlin neue Zahlen vorgelegt.

Die Statistik zeigt, wie viele Patienten sich mit einem Verdacht auf Fehler im vergangenen Jahr an die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft gewandt haben - und in wie vielen Fällen diese einen Fehler bestätigten.

Demnach beschwerten sich im vergangenen Jahr rund 12.000 Patienten bei den Ärztekammern wegen vermuteter Behandlungsfehler. Rund 8000 Fälle davon wurden weiter bearbeitet, in 2243 Fällen bestätigte sich der Verdacht (Vorjahr: 2.280).

In 1.864 Fällen wurde ein Behandlungsfehler als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete. Die häufigsten Diagnosen, die zum Vorwurf Behandlungsfehler führten, waren wie in den Vorjahren Knie- und Hüftgelenkarthrosen sowie Unterschenkel- und Sprunggelenkfrakturen.

Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer, warnte davor, Behandlungsfehler generell mit Ärztepfusch gleichzusetzen: „Zu Pfusch gehört auch immer eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber den Auswirkungen des eigenen Handelns. Es wäre falsch und unredlich, Ärzten eine solche Haltung zu unterstellen.“

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, führte die Fehlerquote auf wachsenden Stress der Mediziner zurück: „Seit Jahren steigt die Arbeitsintensität in deutschen Kliniken und Praxen“, sagte er dem Magazin „Der Spiegel“.

Lange Arbeitszeiten und ständiger Leistungsdruck erhöhten die Fehlerwahrscheinlichkeit. Daher sei es „bemerkenswert“, dass die Zahl der registrierten Behandlungsfehler in den vergangenen Jahren weitgehend konstant geblieben sei.

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