Telemedizin
Der verkabelte Patient

Die virtuelle Arztpraxis wird den persönlichen Kontakt zum Arzt zwar nie ganz ersetzen können. Trotzdem kann die Telemedizin sinnvolle Hilfe bei vielen Erkrankungen leisten.
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BerlinDetlef Bülow wird seit über einem Jahr rund um die Uhr überwacht. Wenn dem 70-jährigen Rentner aus Berlin ein Herzinfarkt drohen würde, wüsste es sein virtueller Arzt eher als er selbst. Der Patient ist Teilnehmer des Telemedizin-Projektes „Partnership for the Heart“ der Berliner Charité, das die Auswirkungen der Online-Betreuung bei Herzinsuffizienz-Patienten untersucht.

Bülow hat von der virtuellen medizinischen Betreuung profitiert. „Ich bin flexibler und sicherer geworden, weil ich immer einen Ansprechpartner habe“, sagt er bei der Auswertung des Projektes. Auch mit der modernen Technik hat er keine Probleme. „Ein Geldautomat ist manchmal schwieriger zu bedienen als diese Geräte.“

Die Telemedizin wird das Gesundheitswesen nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft Telemed grundlegend verändern. „Angesichts der schlechten Rahmenbedingungen haben wir in den vergangenen zwei Jahren schon viel erreicht“, sagt Sprecher Wolfgang Loos. Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet an einer E-Health-Strategie für Deutschland. Die Bundesärztekammer hat erstmals Leitsätze für gute Telemedizin beschlossen.

Doch die virtuelle Arztpraxis ist in Deutschland bislang nur zu Forschungszwecken erlaubt. Es fehlen Studien, die den Nutzen der Online-Medizin wissenschaftlich nachweisen. Außerdem wird heftig über die Datensicherheit der neuen Technik diskutiert.

Dabei kann sogar dem Laien der Nutzen der Technik einleuchten. Kranken wird der Weg zum Arzt erspart, weil seine Daten viel einfacher und schneller per Internet in der Praxis ankommen. Krankenhausaufenthalte verkürzen sich, weil die Patienten genauso gut zuhause überwacht werden können.

„Es ist ein Sicherheitsnetz, dass es Patienten mit gefährlichen Krankheiten ermöglicht, zu Hause zu bleiben“, sagt Friedrich Köhler, Leiter des Zentrums für Kardiovaskuläre Telemedizin der Charité. Der Patient müsse nur einmal im Vierteljahr zur Untersuchung zum Hausarzt und zum Facharzt. Zuhause habe er Messeinrichtungen, um täglich seine Werte an das zuständige telemedizinische Zentrum zu übermitteln.

Die Daten werden sofort bewertet. Bei Auffälligkeiten meldet sich das Zentrum und leitet die erforderlichen Maßnahmen ein. Rund 10.000 Hochrisikopatienten werden nach Expertenangaben derzeit auf diese Weise in Deutschland betreut.

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Überwachung im eigenen Heim

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