Telemedizin in Alaska

Ferndiagnose am Ende der Welt

Die Klinik liegt auf einer Insel in Alaska, in einem entlegenen Winkel der Erde. Personal zu gewinnen ist hier schwierig. Jetzt kommen Ärzte aus mehr als 1000 Kilometern Entfernung zur Hilfe – dank Satellitentechnologie.
Per Satellitentechnik werden Bilder der Patienten aus Dutch Harbor ins weit entfernte Anchorage übertragen. Quelle: AP
Sprechstunde über 1300 Kilometer hinweg

Per Satellitentechnik werden Bilder der Patienten aus Dutch Harbor ins weit entfernte Anchorage übertragen.

(Foto: AP)

AnchorageDutch Harbor auf Unalaska Island in Alaska ist einer der lebhaftesten kommerziellen Fischereihäfen der USA. Doch der Ort ist so abgelegen, das konventionelle Telemedizin zur Unterstützung des wenigen Personals in der örtlichen Klinik nicht möglich war. Dabei ist es gerade an einem so entlegenen Außenposten wichtig, sich bei Bedarf Rat von erfahrenen Spezialisten holen zu können.

Seit vergangener Woche können sich nun Ärzte in einem Krankenhaus im knapp 1300 Kilometer entfernten Anchorage zuschalten, wenn in der Insel-Klinik Not am Mann ist. Etwa dann, wenn sich ein Fischer der Krabbenfangflotte in der Beringsee bei der Arbeit schwer verletzt hat. Das Seegebiet wurde durch die Discovery-Show „Deadliest Catch“ (Tödlichster Fang) bekannt.

Das sind die beliebtesten Naturschauspiele der USA
US-Nationalparks
1 von 16

Endlose Weiten, schneebedeckte Bergspitzen, zerklüftete Küstenlandschaften: Die 59 Nationalparks in den USA versprechen Superlative. Um ihren Schutz kümmert sich der National Park Service – und das nun schon seit 100 Jahren.

Grand Canyon
2 von 16

Am 25. August 1916 unterzeichnete der damalige US-Präsident Woodrow Wilson ein Gesetz, mit dem der National Park Service entstand. Er schützt 59 Nationalparks mit einer Fläche von insgesamt rund 210.000 Quadratkilometern. Insgesamt verwaltet der Service mehr als 400 Anlagen – dazu zählen etwa historische Parks, Monumente, Gedenkstätten oder Reservate. Im vergangenen Jahr zählten sie rund 307 Millionen Besucher. 

Yellowstone Nationalpark
3 von 16

Der wohl bekannteste Park ist wohl der Yellowstone Nationalpark. Dort leben auch Braunbären.

Yellowstone Nationalpark
4 von 16

Der Yellowstone Nationalpark wurde im Jahr 1872 gegründet und ist damit das älteste Naturschutzgebiet der Welt. Der Größte ist der Wrangell-St.-Elias-Nationalpark im südöstlichen Alaska. Er umfasst ein Gebiet von rund 53.320 Quadratkilometern. 

Bisons
5 von 16

Mit ihren zotteligen Bärten und gebogenen Hörnern prägen Bisons maßgeblich das Bild des Yellowstone Nationalparks. Zwischen 4.000 und 5.000 der Tiere leben in dem knapp 9.000 Quadratkilometer großen Gebiet, sie verteilen sich auf zwei Herden. Die Ranger warnen aber davor, sich ihnen allzu dicht zu nähern. Angriffe mit Bisons gehören zu den häufigsten Unfällen im Park. Auch übertriebene Fürsorge sollte man sich sparen: Als zwei Besucher im Mai ein Bisonkalb vor der Kälte retten wollten, fällten sie damit letztendlich sein Todesurteil. Weil das Tier sich nicht mehr in seine Herde integrieren ließ, musste es getötet werden.

Sternenhimmel
6 von 16

In vielen amerikanischen Städten trüben gleißende Lichter den Blick in den Sternenhimmel. Im Joshua Tree Nationalpark im Süden Kaliforniens sind die Nächte dagegen pechschwarz, das macht den Park zu einem Anziehungspunkt für Sternengucker. Im Sommer kann man die Milchstraße sehen, im Winter den Orion. Vollendet wird das Postkartenmotiv von rundgeschliffenen Felsen und stachelblättrigen Josua-Palmlilien, denen der Park seinen Namen verdankt.

Denali Park in Alaska
7 von 16

Die bekannteren Parks sind gerade in den Ferienzeiten gut besucht, auch weil die meisten über ein ausgebautes Straßennetz verfügen. Im Denali Park in Alaska gibt es dagegen nur eine befestigte Straße. Besucher müssen den Bus nehmen, um ins Innere zu gelangen. Rund um den Denali, Nordamerikas höchsten Berg, erstreckt sich eine einsame Tundralandschaft. 

Aus der Ferne können Ärzte am Providence Alaska Medical Center in Anchorage Röntgenbilder oder auch andere medizinische Unterlagen in der Klinik Iliuliuk Family and Health Services einsehen. Außerdem können sie direkt mit Patienten und deren Betreuern sprechen, anstatt wie bisher per Telefon oder E-Mail.

Ziel ist es, die Patienten zu stabilisieren, bevor sie zur Behandlung in andere Krankenhäuser gebracht werden. Bei größeren Unfällen, wie Schiffsunglücken, können Spezialisten aus Anchorage zudem bei der ersten Einschätzung zu helfen.

Die Kameraverbindung stützt sich nicht auf Glasfaserkabel, die es nirgendwo in der Nähe der Insel gibt, sondern auf Satellitentechnologie. Es ist das erste Mal in den USA, dass ein derartiges System für Telemedizin genutzt wird. Insgesamt unterstützt die Abteilung für elektronische Intensivpflege am Medical Center in Anchorage aus der Ferne neun Einrichtungen.

Der neue Service findet großen Beifall – so von Lance Farr, der ein Krabbenfischereiboot betreibt und schon zwei Mal bei seiner Arbeit in der Beringsee verletzt wurde. Vor mehreren Jahren trennte er sich bei einem Maschinenunfall an einem Dock beinahe einen Finger ab. Die Insel-Klinik leistete Erste Hilfe, dann wurde Farr zur weiteren Behandlung nach Anchorage geflogen.

Beim zweiten Mal fiel ihm eine Maschine auf den Fuß, der an mehreren Stellen brach. Farr wurde über Nacht im Iliuliuk-Hospital von Pflegern betreut und am nächsten Morgen ausgeflogen. „Es wäre eine gute Sache, wenn ein wirklicher Arzt die Leute hier draußen beriete“, sagt Farr. Ihm selber hätte die Zuschaltung eines Spezialisten in den ersten Stunden sicher auch moralisch Auftrieb gegeben.

Zur weiteren Behandlung werden die Patienten ausgeflogen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%