Trotz Vernichtungsbeschluss
Noch immer lagern Pockenviren in Labors

Vor 20 Jahren beschloss die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass die letzten Pockenviren bis zum Sommer 1999 vernichtet werden sollen. Doch bis heute lagern noch Bestände in Labors – eine Vernichtung ist nicht in Sicht.

New YorkDie Aufregung ist groß: Im Sommer 2014 finden Wissenschaftler in einem Abstellraum der US-Gesundheitsbehörde NIH nahe der Hauptstadt Washington mehrere Reagenzgläser mit Pockenviren. Sie stammten wohl aus den 1950er Jahren und waren einfach vergessen worden – dabei gehören Pocken zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt.

Die Reagenzgläser seien sofort in Sicherheit gebracht worden und Menschen zu keiner Zeit in Gefahr gewesen, versicherte die US-Kontrollbehörde für Infektionskrankheiten CDC seinerzeit rasch. Aber Vorfälle wie dieser lassen bei vielen Menschen die Angst vor den Pocken wieder aufflammen.

Dabei war die Krankheit, die allein im 18. Jahrhundert 60 Millionen Menschen in Europa das Leben kostete, regulär zum letzten Mal 1977 in Somalia aufgetreten. Kurz darauf wurden die Pocken von der Weltgesundheitsorganisation WHO nach einem weltweiten Impfprogramm offiziell als ausgerottet erklärt. Ein Riesenerfolg für die Uno-Behörde.

Auch alle noch verbliebenen Restbestände von Pockenviren in Labors sollten vernichtet werden, wie die WHO bei ihrer 49. Jahresversammlung vor genau 20 Jahren, am 25. Mai 1996 beschloss. Als Frist wurde seinerzeit der Sommer 1999 angesetzt. Doch mehr als 15 Jahre später lagert der tödliche Erreger immer noch in Labors – mindestens in einem US-amerikanischen und einem russischen.

Die WHO hat Frist und endgültige Entscheidung zu dem Thema immer wieder vertagt. Bei einem derzeit stattfindenden Treffen stehe es erneut auf der Tagesordnung, sagte ein WHO-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Ob diesmal eine Entscheidung fallen wird, ist noch nicht abzusehen.

„Die Hauptursache dafür ist politisch“, sagt David Evans, Mediziner an der Universität im kanadischen Alberta, der sich seit Jahren mit Pocken beschäftigt. Die zuständigen Politiker schwankten zwischen der Sorge vor Bio-Terrorismus und der Notwendigkeit der Forschung an den Viren.

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