TV-Kritik Maybrit Illner
Gemüsebeet unter Generalverdacht

Rohkost soll auf einmal ungesund sein? EHEC sorgt weiter für Angst und Verwirrung.  Nun lud Maybrit Illner zur Katastrophensitzung. Heraus kam eine überraschend verhaltene Diskussion mit beunruhigendem Nachgeschmack.
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BerlinEine Mikrobe versetzt Ärzte, Politiker und Experten in Alarmbereitschaft: Der aggressive EHEC-Erreger kann Durchfall, Hirn-Ödeme, Nierenversagen und landesweite Angstzustände auslösen. Die Forscher fahnden weiter nach der Quelle der Krankheit: Tomaten, Gurken oder Sprossen? Jeder Gang zur Salatbar erscheint dieser Tage wie ein Ausflug in ein Risikogebiet. Also rief Maybrit Illner am Donnerstag zur Katastrophensitzung. „Tödliche Keime, ratlose Ärzte, hilflose Politiker – Ehec-Angst ohne Ende?“ fragte sie ihre Gäste. Dazu hatte sie eine ganze Reihe von Fachleuten eingeladen, einen Mikrobiologen, einen Lebensmittelchemiker, einen Epidemiologen, einen Nierenspezialisten.

Doch die Diskussion verlief überraschend ruhig, bisweilen sogar zäh. Keine Spur von der grassierenden Ehec-Panik. Dennoch hinterließ die Sendung einen beunruhigenden Nachgeschmack. Denn tatsächlich konnten die versammelten Fachleute keine eindeutigen Antworten darauf geben, wie der Seuchengefahr wirksam begegnet werden kann. Stattdessen wurden eine Menge verstörender Fragen aufgeworfen.

Nur Einer in der Runde vertrat laubgesägt klare, dafür aber auch umso verblüffendere Ansichten: „Die Empfehlung, möglichst viel rohes Obst und Gemüse zu essen, setzt Verbraucher einem vermeidbaren Gesundheitsrisiko aus“, so drehte der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer die Nahrungsmittelpyramide auf den Kopf. Da haben wir nun den Salat: Die alte Gewissheiten gelten nicht mehr, was bisher als Grundlage einer guten Ernährung galt, ist auf einmal ein Gefahrenherd. Wer dieser Logik folgt, müsste künftig aus gesundheitlichen Gründen zu Knackwurst und Frikadelle greifen. Denn Rohkost kann uns offenbar töten. Oder, wie es Pollmer formulierte: Der Gesundheit halber Rohkost zu verzehren, sei ebenso sinnvoll wie Ski zu fahren, um Knochenbrüche zu vermeiden.

Die anderen Gäste lachten herzlich und schüttelten die Köpfe. „Absurd“, schnaufte der neue Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). SPD-Politiker und Epidemiologe Karl Lauterbach indes ist verwegen genug, nach wie vor rohe Früchte zu verzehren. Das, was Pollmer sage, stimme nicht, Obst und Gemüse seien noch immer „tendenziell“ gesund. Zudem sei Ehec in der Vergangenheit auch schon mal über Fleisch übertragen worden. Doch ehe sich der Gelehrtenstreit weiter entfalten konnte, wischte Pollmer alle Einwände vom Tisch: „Rohe Lebensmittel übertragen Krankheitskeime, ob den Herren das gefällt oder nicht. Das spielt keine Rolle, weil die Viren haben keine Ideologie, die Bakterien gehören keiner Partei an, sondern sie tun das, was sie für richtig halten.“

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