Untersuchung verhinderte schwere Erbkrankheit
Retortenbaby mit getestetem Erbgut geboren

HB DÜSSELDORF. Erstmals ist in Deutschland ein Retortenbaby mit im Reagenzglas getestetem Erbgut auf die Welt gekommen. "Mit den Untersuchungen vor der Einpflanzung in den Mutterleib konnte die Übertragung eines seltenen Erbleidens verhindert werden", bestätigt der Regensburger Reproduktionsmediziner Bernd Seifert einen Bericht der Wochenzeitung „Die Zeit“. Der Junge wurde bereits im August geboren. „Er ist völlig gesund“, sagt der Gynäkologie-Professor.

In der Familie der Mutter gibt es eine Erbkrankheit, die schwere Gehirnstörungen und auch Blindheit verursacht. Das Leiden werde von der Mutter vererbt. „Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 50 Prozent“, erläutert der Mediziner.

Seifert und sein Team testeten deshalb befruchtete Eizellen der Mutter im Reagenzglas auf genetische Veränderungen. Die Ärzte wandten dabei die Polkörperdiagnostik an, die im Gegensatz zur ähnlichen Präimplantationsdiagnostik in Deutschland erlaubt ist.

Bei der Polkörperdiagnostik wird das Erbgut innerhalb der wenigen Stunden vor der Verschmelzung der Kerne von Ei- und Samenzelle untersucht. Die Eizelle ist dann laut Gesetz noch kein Embryo, der juristisch besonders geschützt ist. Getestet wird laut dem Mediziner nur das Erbgut der Mutter, nicht jedoch das des Vaters. Tests des gesamten Erbmaterials sind verboten. Der Nationale Ethikrat habe der angewandten Methode zugestimmt.

Mehrere Eizellen seien verworfen worden, weil in ihnen die Erbkrankheit entdeckt worden sei, sagt Seifert. Nach rund einem halben Jahr Vorbereitung seien schließlich zwei Eizellen eingepflanzt worden, aus denen sich schließlich ein Embryo entwickelt habe. Schwangerschaft und Geburt verliefen laut Seifert völlig normal. Der Gynäkologe und seine Mitarbeiter vom Zentrum für gynäkologische Endokrinologie in Regensburg (»www.kinderwunsch-regensburg.de) arbeiten derzeit an weiteren Fällen, bei denen andere Erbkrankheiten ausgeschlossen werden sollen.

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