Urintest macht Immunreaktion sichtbar
Komplikationen bei einer Leukämie-Therapie werden früher erkannt

hsn DÜSSELDORF. Die Stammzell-Transplantation ist aus der Therapie vieler Krebserkrankungen nicht mehr wegzudenken: Eine Hochdosis-Chemotherapie zerstört zunächst alle Zellen, die sich schnell teilen – vor allem die Krebszellen, aber auch Stammzellen im Knochenmark, die den Nachschub für die Zellen in Blut und Immunsystem bilden. Deshalb ist sofort eine Stammzellspende notwendig – meist von einem Fremdspender, der die gleichen Gewebemerkmale hat wie der Empfänger. Trotz sorgfältiger Auswahl der Spenderzellen kommt es bei bis zu 70 Prozent der Patienten nach einer Stammzell-Transplantation zu einer Immunreaktion: Die verpflanzten Zellen erkennen den neuen Körper als fremd und reagieren aggressiv. Diese Reaktion führt bei bis zu zehn Prozent der Patienten zum Tod. Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben nun einen Urintest entwickelt, mit dem die Immunreaktion vor dem Auftreten erster Symptome erkannt werden kann.

Bislang war es schwierig die so genannte „Transplantat-gegen-Wirt- Reaktion“ rechtzeitig zu diagnostizieren, um mit Medikamenten frühzeitig gegensteuern zu können. Symptome, wie Hautrötungen, Durchfall oder erhöhte Leberenzyme im Blut, die in einem Zeitraum von 10 bis 100 Tagen nach der Transplantation auftreten können, ähneln denen einer Infektion. „Erst durch eine Gewebeentnahme und anschließenden Untersuchung erhielten wir absolute Gewissheit“, erläutert Eva Weissinger, MHH-Privatdozentin und Expertin für Stammzell-Transplantation, das Problem. Der neue Test wirke bereits etwa zehn Tage nach der Stammzell-Behandlung und könne bei positivem Resultat eine Infektion mit 98-prozentiger Sicherheit ausschließen. Mit dem jeweiligen Ergebnis können die Ärzte nun die Symptome gezielter behandeln und hoffen, selbst heftigste Abwehrreaktionen in den Griff zu bekommen.

Der Test wurde von einem Spin-off-Unternehmen der MHH, der Mosaiques Diagnostics and Therapeutics AG, zur Marktreife entwickelt. Die Untersuchung, die rund 850 Euro kostet, wird zurzeit noch nicht von den Kassen bezahlt.

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