US-Forscher ausgezeichnet
Medizin-Nobelpreis: Die Stunde der Favoriten

Wirklich überrascht waren Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak wohl nicht, als sie am Montagmorgen einen Anruf aus Stockholm erhielten. Die drei US-Forscher galten schon im vergangenen Jahr als Favoriten auf den Medizin-Nobelpreis. Ihre Forschungen könnten helfen, eines der größten Rätsel der Medizin zu lösen: das Altern.
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STOCKHOLM. Eines der großen Rätsel der Medizin steht vor der Lösung: Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak haben herausgefunden, wie Chromosomen bei der Zellteilung die Enden auf beiden Seiten schützen. Für diese Entdeckung, die maßgeblich für die weitere Erforschung von Krebserkrankungen sein kann, erhielten die drei US-Wissenschaftler nun den Medizin-Nobelpreis. Sie teilen sich die mit zehn Mio. Kronen (971 000 Euro) dotierte höchste Wissenschaftsauszeichnung der Welt.

Es ist das erste Mal in der Geschichte der Nobelpreise, dass zwei Frauen gleichzeitig mit dem Medizinnobelpreis ausgezeichnet werden. Dem Nobelkomitee war in den vergangenen Jahren vorgeworfen worden, weibliche Forscher bei der Auswahl zu übergehen. Ein weiterer Rekord wurde bei dem diesjährigen Nobelpreis vermutlich eingestellt: Eine der Preisträgerinnen, die heute 48-jährige amerikanische Wissenschaftlerin Carol Greider, war erst 23 Jahre alt, als sie zusammen mit Elizabeth Blackburn das Enzym Telomerase entdeckte.

Dieses Enzym schützt bei der Zellteilung die Enden der Chromosomen und sorgt so dafür, dass die Chromosomenenden bei der Zellteilung zunächst unverändert lang bleiben. Das ist für den Erhalt der Erbgutinformationen überaus wichtig. Würden beim Kopieren der Zellen Erbgutinformationen wegfallen, wäre die neue, „gedoppelte“ Zelle beschädigt.

Blackburn, Greider und Szostack fanden bereits in den achtziger Jahren heraus, dass das Enzym Telomerase die Chromosomenenden bei der Zellteilung wieder etwas verlängert. Deshalb können alle Informationen in die neue Zelle kopiert werden. Dieser Prozess ist allerdings nicht unendlich wiederholbar. Wissenschaftler glauben, dass die allmählich eintretende Verkürzung der Chromosomenenden für den Alterungsprozess des Menschen verantwortlich sein kann.

„Die Entdeckung der diesjährigen Preisträger kann entscheidend für die Behandlung von Krebs sein“, sagte Professor Urban Lendahl, Genforscher am Karolinischen Institut in Stockholm, das für die Auswahl der Medizinnobelpreisträger verantwortlich ist. Gerade Zellen, die sich häufig teilen – und dazu zählen Krebszellen – profitieren von dem Schutzmechanismus des Enzyms Telomerase und können sich so schnell weiterverbreiten. Deshalb gilt das Enzym auch als möglicher Schlüssel bei der Entwicklung einer wirkungsvollen Behandlung gegen Krebs.

Lendahl widersprach gleichzeitig der Auffassung, dass durch die Forschung der drei amerikanischen Wissenschaftler der Alterungsprozess aufgehalten werden könne. „Das Altern hängt von viel mehr Faktoren als nur der Zellteilung ab. Zum Beispiel ist die Ernährung ganz wichtig“, sagte er.

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