Vogelgrippe Angst vor dem Supervirus lähmt die Forschung

Wegen drohender Bioterrorismus-Gefahr verkündeten Forscher vor einem Jahr einen drastischen Schritt: Für 60 Tage wollten sie die Arbeit mit einem hochgefährlichen Virus auf Eis legen. Doch die Forschung ruht bis heute.
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Bei Experimenten niederländischer Wissenschaftler mit dem Vogelgrippevirus H5N1 entstand ein neues Supervirus. Seit einem Jahr ruht die Forschung an diesen neuen Erregern. Quelle: dpa

Bei Experimenten niederländischer Wissenschaftler mit dem Vogelgrippevirus H5N1 entstand ein neues Supervirus. Seit einem Jahr ruht die Forschung an diesen neuen Erregern.

(Foto: dpa)

New YorkGroße Hysterie, ausgelöst von kleinen Frettchen: Bei Forschungen zur Vogelgrippe infizierten niederländische Wissenschaftler die Marder mehrfach hintereinander mit dem Virus H5N1. Das Ergebnis: Ein gefährliches Supervirus, das sich rasend schnell unter den Tieren ausbreitete und die meisten von ihnen tötete.

Forscher im US-Bundesstaat Wisconsin kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Ein „dummes Experiment“ sei es gewesen, gestand Ron Fouchier von der Erasmus-Universität in Rotterdam später ein. Aber das Supervirus war in der Welt und mit ihm die Hysterie: Was würde passieren, sollte der Erreger in falsche Hände geraten?

Die gefährlichsten Viren der Welt
EBOLA VIRUS
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Ebola-Virus

Das vorwiegend in Zentralafrika auftretende Ebola-Virus gehört zu den tödlichsten Krankheitserregern überhaupt. Bis zu 90 Prozent der Infizierten sterben innerhalb von einer Woche nach dem Auftreten der ersten Symptome.

Marburg-Virus
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Marburg-Virus

Mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 90 Prozent ist der Erreger des Marburg-Fiebers ähnlich gefährlich wie das Ebola-Virus. Vergleichbar sind auch Krankheitsverlauf und Übertragungsweg: Beide Erreger werden auf den Menschen durch Kontakt mit infizierten Personen oder Tieren übertragen.

Das Marburg-Virus wurde erstmals im Jahr 1967 bei Mitarbeitern eines Labors in Marburg festgestellt. Vermutlicher Ausgangspunkt der Erkrankung waren seinerzeit wohl infizierte Versuchstiere.

Lassavirus
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Lassa-Virus

Überträger des vor allem in Westafrika auftretenden Lassa-Virus ist ein Nagetier, die Natal-Vielzitzenmaus. Etwa 500.000 Menschen erkranken nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO am Lassa-Fieber, rund 5000 davon sterben. Gefährdet sind vor allem schwangere Frauen, da sich der Erreger gern in der Plazenta einnistet.

TigermückeTigermücke
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Dengue-Virus

Die Tigermücke ist einer der Erreger des durch Viren hervorgerufenen Dengue-Fiebers. Die Krankheit ähnelt meist einer schweren Grippe, kann aber auch in ein hämorrhagisches Denguefieber ausarten, bei dem schwere innere Blutungen schließlich zum Tod führen. Die WHO schätzt, dass bis zu 100 Millionen Menschen pro Jahr an Denguefieber erkranken, rund 20.000 davon sterben.

Hantaviren
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Hanta-Virus

Während des Koreakrieges erkrankten rund 3000 US-Soldaten im Gebiet des südkoreanischen Hantan-Flusses an einem bis dahin unbekannten Erreger, der Fieber und im schlimmsten Fall Nierenversagen verursachte. Heute zählen Hantaviren zu den am weitesten verbreiteten Krankheitserregern, sie sind praktisch weltweit zu finden. Die meisten Infektionen mit den durch Nagetiere übertragenen Viren verlaufen allerdings glimpflich.

Gelbfieber
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Gelbfieber-Virus

Obwohl es einen Impfstoff gibt, erkranken pro Jahr noch immer mehrere hunderttausend Menschen an Gelbfieber. Die Viren werden durch Stechmücken übertragen. In schweren Fällen kann es zu Leberschäden und Störungen der Blutgerinnung kommen. Die WHO schätzt, dass etwa 30.000 Menschen pro Jahr an Gelbfieber sterben.

Von möglichem Bioterrorismus war die Rede, und als dann sogar die US-Regierung darum bat, die Ergebnisse nicht zu veröffentlichen, entschieden sich die Wissenschaftler zu einem drastischen und seltenen Schritt: 60 Tage lang würden sie alle Forschungen mit der neuen Variante des H5N1-Erregers auf Eis legen.

Am kommenden Sonntag (20. Januar) ist die Veröffentlichung der gemeinsamen Erklärung von 39 Wissenschaftlern auf den Webseiten der Fachjournale „Science“ und „Nature“ genau ein Jahr her - doch die Arbeit ruht noch immer. Aus den geplanten 60 Tagen sind rund sechsmal so viele geworden.

Aber das sei nicht schlimm, sondern gut so, sagt Anthony Fauci, einer der bekanntesten amerikanischen Immunbiologen. „Das wurde alles sehr stark überbewertet damals.“ Die Auszeit habe geholfen, alle zu beruhigen. „Sie dauert jetzt schon so lange an, weil es so viele Diskussionen gibt.“

Das Problem sei nun einmal komplex, so Fauci, der das Nationale Forschungsinstitut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) in Bethesda im US-Bundesstaat Maryland leitet. „Zunächst einmal wissen wir bisher nur, dass das neue Virus bei Frettchen so einfach übertragbar ist. Wie das beim Menschen ist, wurde ja noch gar nicht erforscht.“

Sorgfalt geht vor Schnelligkeit
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