„Volkskrankheit“ AMD
Ärzte machen Blindheit sichtbar

Bislang hat die Medizin noch keine Waffe gegen die „Volkskrankheit“ AMD gefunden. Ein neu entwickeltes, bildgebendes Verfahren soll das jetzt ändern - und die Basis für eine Therapie schaffen.

BONN. Edith Breuer bügelte ein Hemd, als ihre Welt verschwamm. Die Streifen auf dem Bügelbrett waren plötzlich nicht mehr gerade, sondern gezackt. Die 72-Jährige lief ins Bad – und dort hatten die Fliesen runde statt eckige Formen. „Ich bekam einen Schreck“, sagt Breuer. „Da habe ich das erste Mal gemerkt, dass mit meinen Augen etwas nicht stimmt.“ Seit drei Jahren nun leidet die Rentnerin an Altersblindheit, von der allein in Deutschland mehr als drei Millionen Menschen betroffen sind.

An der Universitätsklinik Bonn nimmt Edith Breuer nun an einer Studie teil. Dort gehen Forscher mit neuen Geräten den Ursachen der Volkskrankheit auf den Grund – und wollen endlich wirksame Therapien entwickeln. „Mit der bildgebenden Diagnostik könnten wir eines Tages sogar die Entstehung von Altersblindheit verhindern“, hofft Frank Holz, Direktor der Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn. Bisher gab es kein Heilmittel; sogar die Diagnose und Überwachung des Krankheitsverlaufs waren schwierig.

In Bonn setzten die Wissenschaftler im Jahr 2006 erstmals ein Gerät des Medizintechnikherstellers Heidelberg Engineering ein, das als einziges weltweit zwei moderne Diagnosemethoden der Bildgebung kombiniert. Die Kopplung der Methoden soll eine wesentlich exaktere Behandlung ermöglichen. Die „optische Kohärenztomographie“ erlaubt es den Medizinern, die Schichten den Netzhaut in einer bislang nicht erreichten Auflösungshöhe darzustellen. Dabei tastet ein Laser den Augenhintergrund ab und erstellt ein digitales Bild. Ein sogenannter „Eye-Tracker“ misst dabei die Augenbewegungen. Das verringert Ungenauigkeiten bei der Darstellung und erlaubt es bei Folgeuntersuchungen, die gleiche Netzhautstelle aufzunehmen.

Die zweite Methode ist die „Fundusautofluoreszenz“ – die Messung der Eigenfluoreszenz der Netzhaut. Bei der Anregung mit blauem Licht misst das Gerät vor allem das so genannte Lipofuszin. Dieses giftige Abfallprodukt des Stoffwechsels im Auge gilt als Hauptursache für Altersblindheit – die altersabhängige Makuladegeneration (AMD). Die Ablagerungen in der äußeren Netzhaut beeinträchtigen die Funktion der Sehnerven in dem Teil der Netzhaut, der für die Sehschärfe verantwortlich ist. Nach einiger Zeit sterben die Nervenzellen ab.

Diese Zusammenhänge sind laut Frank Holz, der auch der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft vorsteht, erst mit dem Einsatz der neuen Geräte wirklich klar geworden – für ihn ein „Quantensprung“ in der Behandlung von Augenkrankheiten. Fortschritte sind dringend nötig, denn das Problem wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Schätzungen zufolge wird es wegen der Alterung der Bevölkerung im Jahr 2020 bereits 4,5 Millionen AMD-Patienten in Deutschland geben.

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