Vorsichtiger Optimismus
Neue Waffen im Kampf gegen Aids

Während sich die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland auf hohem Niveau stabilisiert hat, entwickeln Mediziner neue Waffen im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids. Moderne Medikamente helfen inzwischen auch den meisten HIV-Patienten mit resistenten Erregern.
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HB FRANKFURT/MAIN. Die Zahl neuer HIV-Infektionen stabilisiert sich in Deutschland auf hohem Niveau. Ähnlich wie im Vorjahr infizierten sich 2008 nach Berechnungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) rund 3 000 Bundesbürger neu mit dem Erreger. Während der 90er Jahre hatten sich jährlich rund 2 000 Menschen mit dem Virus angesteckt. Diese Zahl begann Anfang des neuen Jahrtausends kontinuierlich zu steigen.

Derzeit tragen bundesweit schätzungsweise 63 500 Menschen das HI-Virus, rund 10 500 davon leiden an der Immunschwäche Aids. An den Folgen der Krankheit starben in diesem Jahr rund 650 Infizierte.

Hauptverantwortlich für die hohen Infektionszahlen ist nach wie vor ungeschützter Geschlechtsverkehr zwischen Männern. Über diesen Weg steckten sich mit 72 Prozent fast drei Viertel der Neuinfizierten an. Während die Gesundheitsbehörden die Ausbreitung von HIV und parallel dazu auch anderer sexuell übertragener Krankheiten wie Syphilis oder Gonorrhoe mit Sorge verfolgen, stimmt die Entwicklung neuer Medikamente im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids optimistisch.

So kam im vergangenen Februar der erste Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse auf den Markt, der sogenannten Integrasehemmer. Die Substanz Raltegravir hemmt das Enzym Integrase, mit dessen Hilfe das Virus sein Erbmaterial in die Wirtszellen einschleust. Es war das einzige HIV-Enzym, gegen das es bislang noch keinen Wirkstoff gab. Kurz vor Raltegravir war mit Maraviroc der erste so genannte CCR5-Hemmer zugelassen worden. Diese Mittel hemmen jene Viren, die über den Ko-Rezeptor CCR5 in die Körperzellen eindringen. Beide Wirkstoffklassen scheinen gut verträglich zu sein.

"Die neuen Wirkstoffe haben die HIV-Therapie nochmals revolutioniert", sagt der Immunologe Jürgen Rockstroh von der Universität Bonn. "Davon profitieren vor allem jene Patienten, denen die bisherigen Behandlungen nicht mehr halfen." Gewöhnlich soll ein Cocktail aus drei HIV-Medikamenten das Virus eindämmen. Allerdings schlugen die früher genutzten Kombinationen laut Rockstroh bei etwa 15 Prozent der HIV-Infizierten nicht an. "80 Prozent von diesen sind jetzt gut behandelbar", sagt Rockstroh. "Aber für die übrigen Patienten müssen wir weiter nach neuen Therapien suchen."

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