Welt-Aids-Konferenz

Aids-Hilfe fordert HIV-Prophylaxe in Deutschland

Fünf Tage lang haben Aids-Experten im südafrikanischen Durban beraten, wie die Krankheit bis zum Jahr 2030 ausgerottet werden kann. Die Deutsche Aids-Hilfe nutzt das Ende der Welt-Aids-Konferenz für einen Appell.
Eine Zelle des menschlichen Immunsystems (blau), die mit dem Aids-Erreger HIV (gelb) infiziert ist. Quelle: AP
Mit HIV infizierte T-Helferzelle

Eine Zelle des menschlichen Immunsystems (blau), die mit dem Aids-Erreger HIV (gelb) infiziert ist.

(Foto: AP)

DurbanZum Abschluss der Welt-Aids-Konferenz hat die Deutsche Aids-Hilfe die Einführung einer medikamentösen Prophylaxe gegen das HI-Virus auch in der Bundesrepublik gefordert. Die Prophylaxe könne dabei helfen, bei Angehörigen von Risikogruppen Neuinfektionen zu verhindern.

„Wir haben die Möglichkeit, Leben zu retten und Infektionen zu verhindern – dafür müssen wir alles tun, was möglich ist“, sagte die Geschäftsführerin der Organisation, Silke Klumb am Freitag. In Deutschland gab es zuletzt jährlich rund 3200 HIV-Infektionen.

HIV hat viel von seinem Schrecken verloren
Wie viele Menschen sind mit HIV infiziert?
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In Deutschland leben nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 83.400 Menschen mit HIV/Aids. Die meisten von ihnen wohnen in Großstädten wie Berlin, München, Hamburg, Frankfurt/Main und Köln.

Wer infiziert sich mit dem Virus?
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Männer, die Sex mit Männern haben, bilden mit geschätzt 53.800 Fällen die größte Gruppe. Etwa 10.500 Menschen haben sich nach RKI-Daten bei heterosexuellem Verkehr infiziert. Bei rund 7900 Betroffenen waren verunreinigte Spritzen beim Drogengebrauch die Ursache. Etwa 450 Menschen infizierten sich über kontaminierte Blutkonserven oder andere Blutprodukte. Darüber hinaus haben sich 400 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vor, während oder nach der Geburt bei ihrer Mutter angesteckt.

Wie viele Menschen wissen nichts von ihrer Infektion?
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RKI-Experten schätzen, dass in Deutschland etwa 13.200 Menschen mit HIV nichts von ihrer Infektion wissen. Das ist etwa jeder sechste Betroffene. Manchen hält die Angst vor einem positiven Ergebnis und vor Ausgrenzung davon ab, sich durch einen Test Gewissheit zu verschaffen.

Wie viele Menschen werden behandelt?
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Von den HIV-Infizierten, bei denen eine Diagnose gestellt wurde, sind 82 Prozent in einer antiretroviralen Therapie, die die Vermehrung der Viren eindämmt und den Ausbruch von Aids verhindern kann. Die Weltgesundheitsorganisation rät, möglichst früh mit der Therapie zu beginnen.

Steigern andere sexuell übertragbare Krankheiten das Risiko, sich mit HIV zu infizieren?
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„Generell steigt durch alle sexuell übertragbaren Krankheiten das Risiko, sich mit HIV zu infizieren“, sagt Norbert Brockmeyer, Leiter des Zentrums für Sexuelle Gesundheit und Medizin in Bochum. Infektionen mit Chlamydien, Humanen Papillomviren, Herpes-Simplex-Viren, Syphilis und Gonorrhoe verbreiten sich laut Brockmeyer verstärkt. Der Experte sieht eine Ursache in den vervielfachten Datingmöglichkeiten über Internetportale. Sie ermöglichten mehr und schnellere Sexualkontakte. „Viele Leute verzichten dabei auf Kondome, weil sie das Gefühl haben, sich aus dem Internet zu kennen“, sagt Brockmeyer.

Wo kann man einen HIV-Test machen lassen?
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Unter anderem bieten Gesundheitsämter, Präventionsprojekte und Ärzte HIV-Tests an. Die Deutsche Aids-Hilfe hat im Internet eine Adressliste veröffentlicht. Der Verband warnt vor Tests für den Hausgebrauch aus dem Internet, da die Qualität nicht geprüft werden könne. Außerdem könnten Laien schnell Fehler unterlaufen.

Welche Therapien stehen zur Verfügung?
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Nach Angaben der Deutschen Aids-Gesellschaft gibt es inzwischen mehr als 30 Medikamente für die HIV-Therapie, darunter eine zunehmende Zahl von Kombinationspräparaten. Sie können die Virusvermehrung dauerhaft hemmen. „HIV ist dadurch heute zu einer gut behandelbaren chronischen Erkrankung geworden“, sagt Annette Haberl. Patienten könnten dank moderner Therapien ein normales Leben führen.

Die „PrEP“ genannte Prophylaxe basiert auf dem Viren-hemmenden Medikament „Truvada“ und muss täglich eingenommen werden, um Schutz vor einer Infektion zu bieten. In den USA ist das Medikament seit 2012 mit guten Ergebnissen zugelassen, eine Entscheidung über die Zulassung in der EU wird in den kommenden Monaten erwartet. Die Prophylaxe soll Experten zufolge rund 800 Euro pro Monat kosten.

„Es ist jetzt an der Zeit, mit allen Beteiligten Möglichkeiten auszuloten, wie sie finanziert werden kann“, forderte Klumb. Einige Experten warnen jedoch, dass die Nutzung von „PrEP“ zu Lasten der Nutzung von Kondomen gehen und damit die Verbreitung anderer sexuell übertragbarer Krankheiten begünstigen könnte.

Zur Welt-Aids-Konferenz im südafrikanischen Durban waren diese Woche Tausende Forscher, Aktivisten und Regierungsvertreter angereist. Eine Rede des südafrikanischen Gesundheitsministers Aaron Motsoaledi sollte die Tagung am Freitagnachmittag offiziell abschließen.

Die Konferenz war in erster Linie ein Forum des Austausches für die mit dem Kampf gegen HIV und Aids befassten Experten. Eines der wichtigsten Themen war die Frage, wie das Ziel der internationalen Gemeinschaft erreicht werden kann, die Immunschwächekrankheit Aids bis 2030 auszurotten. Viele Experten warnten, dass das Ziel mit der gegenwärtig verfügbaren Finanzierung und anhaltend hohen Infektionszahlen kaum zu erreichen sei.

Weltweit sind rund 37 Millionen Menschen HIV-positiv. Gegenwärtig infizieren sich jährlich rund 2,1 Millionen neu. Rund 1,1 Millionen Menschen starben 2015 an den Folgen von Aids.

  • dpa
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