Welt-Aids-Konferenz in Durban

Bill Gates lobt deutsche Aids-Politik

Der Kampf gegen HIV ist längst nicht gewonnen. Microsoft-Gründer Bill Gates fordert auf der Welt-Aids-Konferenz größere finanzielle Anstrengungen von der Staatengemeinschaft. Lobend erwähnt er nur Deutschland.
Auf der Welt-Aids-Konferenz in Südafrika forderte der Microsoft-Gründer zu verstärktem Kampf gegen die Krankheit auf. Quelle: AP
Bill Gates

Auf der Welt-Aids-Konferenz in Südafrika forderte der Microsoft-Gründer zu verstärktem Kampf gegen die Krankheit auf.

(Foto: AP)

DurbanWegen der rasch zunehmenden jungen Bevölkerung droht in Afrika die Zahl der jährlichen HIV-Infektionen auf neue Rekorde zu steigen. Davor hat Microsoft-Gründer Bill Gates am Mittwoch auf der Welt-Aids-Konferenz im südafrikanischen Durban gewarnt. Um diesen Anstieg zu vermeiden, seien noch größere Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft nötig.

„Nur weitermachen wie bisher wird ganz klar nicht ausreichen“, sagte Gates, dessen Stiftung sich auch für den Kampf gegen HIV/Aids einsetzt. Im Vergleich zum Jahr 1990 werde sich die Zahl der 15 bis 24 Jahre alten Menschen bis 2030 auf rund 285 Millionen verdreifachen. Besonders junge Mädchen und Frauen müssten daher besser von Präventionsprogrammen erreicht werden, forderte Gates.

HIV hat viel von seinem Schrecken verloren
Wie viele Menschen sind mit HIV infiziert?
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In Deutschland leben nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 83.400 Menschen mit HIV/Aids. Die meisten von ihnen wohnen in Großstädten wie Berlin, München, Hamburg, Frankfurt/Main und Köln.

Wer infiziert sich mit dem Virus?
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Männer, die Sex mit Männern haben, bilden mit geschätzt 53.800 Fällen die größte Gruppe. Etwa 10.500 Menschen haben sich nach RKI-Daten bei heterosexuellem Verkehr infiziert. Bei rund 7900 Betroffenen waren verunreinigte Spritzen beim Drogengebrauch die Ursache. Etwa 450 Menschen infizierten sich über kontaminierte Blutkonserven oder andere Blutprodukte. Darüber hinaus haben sich 400 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vor, während oder nach der Geburt bei ihrer Mutter angesteckt.

Wie viele Menschen wissen nichts von ihrer Infektion?
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RKI-Experten schätzen, dass in Deutschland etwa 13.200 Menschen mit HIV nichts von ihrer Infektion wissen. Das ist etwa jeder sechste Betroffene. Manchen hält die Angst vor einem positiven Ergebnis und vor Ausgrenzung davon ab, sich durch einen Test Gewissheit zu verschaffen.

Wie viele Menschen werden behandelt?
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Von den HIV-Infizierten, bei denen eine Diagnose gestellt wurde, sind 82 Prozent in einer antiretroviralen Therapie, die die Vermehrung der Viren eindämmt und den Ausbruch von Aids verhindern kann. Die Weltgesundheitsorganisation rät, möglichst früh mit der Therapie zu beginnen.

Steigern andere sexuell übertragbare Krankheiten das Risiko, sich mit HIV zu infizieren?
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„Generell steigt durch alle sexuell übertragbaren Krankheiten das Risiko, sich mit HIV zu infizieren“, sagt Norbert Brockmeyer, Leiter des Zentrums für Sexuelle Gesundheit und Medizin in Bochum. Infektionen mit Chlamydien, Humanen Papillomviren, Herpes-Simplex-Viren, Syphilis und Gonorrhoe verbreiten sich laut Brockmeyer verstärkt. Der Experte sieht eine Ursache in den vervielfachten Datingmöglichkeiten über Internetportale. Sie ermöglichten mehr und schnellere Sexualkontakte. „Viele Leute verzichten dabei auf Kondome, weil sie das Gefühl haben, sich aus dem Internet zu kennen“, sagt Brockmeyer.

Wo kann man einen HIV-Test machen lassen?
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Unter anderem bieten Gesundheitsämter, Präventionsprojekte und Ärzte HIV-Tests an. Die Deutsche Aids-Hilfe hat im Internet eine Adressliste veröffentlicht. Der Verband warnt vor Tests für den Hausgebrauch aus dem Internet, da die Qualität nicht geprüft werden könne. Außerdem könnten Laien schnell Fehler unterlaufen.

Welche Therapien stehen zur Verfügung?
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Nach Angaben der Deutschen Aids-Gesellschaft gibt es inzwischen mehr als 30 Medikamente für die HIV-Therapie, darunter eine zunehmende Zahl von Kombinationspräparaten. Sie können die Virusvermehrung dauerhaft hemmen. „HIV ist dadurch heute zu einer gut behandelbaren chronischen Erkrankung geworden“, sagt Annette Haberl. Patienten könnten dank moderner Therapien ein normales Leben führen.

Jährlich infizieren sich 2,1 Millionen Menschen neu mit HIV, vor allem in Afrika. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren trotz intensiver Bemühungen kaum mehr gesunken. Weltweit sterben jedes Jahr 1,1 Millionen Menschen an den Folgen der vom HI-Virus ausgelösten Immunschwächekrankheit Aids.

Um die Epidemie unter Kontrolle zu bekommen, seien dringend zusätzliche Mittel für Prävention, Behandlung von HIV-positiven Menschen und für die Forschung nötig, erklärte Gates. Gegenwärtig sei es jedoch bereits schwierig, internationale Geber zu überzeugen, die Fördermittel zumindest auf gleichem Niveau zu halten. „Es gibt wenige Regierungen, die für ihre Großzügigkeit gelobt werden müssen, darunter Deutschland“, sagte Gates.

Todesursache Nummer eins bei 11- bis 19-Jährigen in Afrika
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