Welt-Tuberkulose-Tag am 24. März
5 000 Tote pro Tag

Noch immer ist die Tuberkulose eine der am weitesten verbreiteten Krankheiten weltweit. Die früher Schwindsucht genannte Infektion tötet jährlich rund zwei Millionen Menschen. Vor allem die Ausbreitung des Aids-Virus HIV hat den weltweiten Kampf gegen die Tuberkulose zurückgeworfen.
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ap FRANKFURT/MAIN. Abgemagert bis auf die Knochen steht die junge Mutter Cordelia vor dem Arzt Joseph Chukwu in der nigerianischen Region Biafra. Für Chukwu scheint sich die Zeit um 40 Jahre zurückzudrehen: Schon einmal, während der Hungersnot im Biafra-Krieg, gruben sich die Bilder ausgezehrter Menschen bei ihm in Kopf und Herz ein. Diesmal aber ist es nicht der Hunger, der viele seiner Landsleute tödlich schwächt, sondern Tuberkulose in Kombination mit Aids.

Während die Tuberkulose in der Regel und bei rechtzeitiger Behandlung heilbar ist, hat das Zusammentreffen beider Krankheiten dem Kampf gegen die TB einen herben Rückschlag versetzt. Das geschwächte Immunsystem eines HIV-Infizierten kapituliert schnell vor den tödlichen TB-Erregern. HIV und Aids sind damit einer der wesentlichen Gründe dafür, dass die Tuberkulose auch rund ein Jahrhundert nach der Entwicklung wirksamer Medikamente nicht in den Griff zu bekommen ist.

Noch immer gibt es jährlich rund neun Mio. neue Tuberkulose-Fälle - und fast zwei Mio. Tote. Neben der Aids-Pandemie machen auch zunehmende Resistenzen gegen die Antibiotika-Therapie Hoffnungen auf ein baldiges Eindämmen der Krankheit zunichte. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt in ihrem jüngsten TB-Resistenz-Bericht, dass 2006 rund eine halbe Million Tuberkulosefälle mit multiresistentem Erreger auftraten. Die Brennpunkte liegen in der früheren Sowjetunion.

In Deutschland wurden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) 2007 bei 66 von insgesamt mehr als 5 000 Patienten multiresistente Bakterien registriert. Insgesamt gingen - wie in den Jahren zuvor - in Deutschland sowohl Erkrankungen als auch Todesfälle und Resistenzen weiter zurück. Weltweit jedoch ist die Tuberkulose laut RKI die am häufigsten zum Tode führende behandelbare Infektionskrankheit. Jeden Tag sterben nahezu 5 000 Menschen an TB.

Wo die Erreger noch auf die Antibiotika-Präparate anschlagen, muss die Therapie konsequent und über Monate hinweg erfolgen. Für die ausgemergelten Patienten von Joseph Chukwu, medizinischer Berater der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) in Nigeria, ist dies eine schwierige Herausforderung. Menschen wie Cordelia müssen erst wieder einigermaßen zu Kräften kommen, bevor sie die übliche Nahrung und die Tabletten vertragen. Die Einnahme der lebensrettenden Arzneimittel wird zur stressigen Prozedur: Immer wieder erbrechen sich die Patienten.

Und auch wenn es den Betroffenen schon nach ein paar Wochen besser geht, dürfen sie ihre Tabletten nicht absetzen. Dazu müssen Doktor Chukwu und seine Kollegen oft harte Überzeugungsarbeit leisten. Bei einem Abbruch der Behandlung haben Resistenzen leichtes Spiel.

Einem gesunden Körper können die Tuberkulose-Bakterien in vielen Fällen gar nichts anhaben: Fast ein Drittel aller Menschen trägt den Erreger laut Experten im Körper, doch bei den meisten ist das Immunsystem stark genug, eine Erkrankung abzuwehren. Unter- oder Mangelernährung, schlechte hygienische Lebensumstände, extremer Stress wie etwa Kriege oder eine Schwächung durch andere Krankheiten bieten den TB-Bakterien jedoch einen willkommenen Nährboden - so wie die HIV-Infektion bei Cordelia.

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