Weltaidstag
Noch immer kein Schutz vor dem Killer-Virus

„In ungefähr zwei Jahren möchten wir mit den Tests eines Impfstoffs anfangen.“ – 1984 war das Aids-Virus entdeckt und die damalige US-Gesundheitsministerin Margaret Heckler zuversichtlich, dass die Seuche bald Vergangenheit sein würde. Sie sollte sich irren. Alleine 2007 gab es 2,7 Millionen Neuinfektionen mit HIV – und die Suche nach einem Impfstoff gestaltet sich schwierig.
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HEIDELBERG. Im Jahr 2004 ließen sich 3000 gesunde Amerikaner und Australier Viren mit HIV-Genen ins Blut spritzen. Von der sogenannten Step-Studie erhofften sich viele Forscher den entscheidenden Schritt bei der Suche nach einem Impfstoff gegen Aids. Die Vorversuche mit Affen waren positiv verlaufen – die Impfung hatte eine Infektion zwar nicht verhindern können, die Tiere aber länger und mit weniger Viren im Blut überleben lassen.

Doch schon drei Jahre nach Beginn der Studie am Menschen machte sich Ernüchterung breit: Aus der geimpften Gruppe hatten sich sogar mehr Probanden mit HIV infiziert als aus der Placebo-Gruppe, die keinen Wirkstoff erhalten hatte. Auch bei der Virenzahl im Blut waren keine Unterschiede erkennbar. Die Studie wurde abgebrochen. Warum die Impfung bei Menschen nicht funktionierte, stellte die Wissenschaftler vor ein Rätsel.

Bereits nach den ersten Untersuchungen am Ende der Studie wurde die Konstruktion des Impfstoffs als mögliche Ursache gehandelt. Basis für das Serum war eine abgeschwächte Form des Schnupfenerregers Adenovirus 5 gewesen, den die Forscher mit drei Genen des HI-Virus füllten. Die Genprodukte sollten dann, im menschlichen Körper freigesetzt, das Immunsystem anregen, die passenden Antikörper zu bilden.

Es fiel auf, dass viele der geimpften Infizierten resistent gegen das Adenovirus 5 waren. Die Hypothese: Die Hülle des Adenovirus 5 im Impfserum führt bei Probanden mit Antikörpern dazu, dass der Körper eine Immunantwort startet und vermehrt CD4 T-Zellen bildet. Diese Zellen sind ein wichtiger Teil der frühen Immunantwort – aber auch das erste Ziel des Aidsvirus, wenn er in Körper eindringt.

Virologen um Adel Benlahrech vom Imperial College in London konnten schließlich diese These bestätigen. Sie fanden Belege dafür, dass die CD4 T-Zellen genau nur an den Stellen gebildet wurden, die zu den bevorzugten Eintrittspforten des Virus gehören. Benlahrech und seine Kollegen fanden sie in Schleimhautgewebe, das bei sexuellen Aktivitäten besonders leicht infiziert wird. Das Fazit der Forscher: Bei künftigen Impfstudien sollte der Auswahl der „Verpackung“ besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Das Beispiel zeigt: Bisher ist die Suche nach dem HIV-Impfstoff vor allem von Rückschlägen und Hindernissen geprägt. Ist die HIV-Impfung nur ein Wunschtraum? „Unsinn!“ sagt Jürgen Rockstroh, Vorsitzender der deutschen Aids-Gesellschaft. Denn gerade in jüngster Zeit gab es auch ermutigende Entdeckungen, beispielsweise bei der Suche nach neuen Antikörpern.

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